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Wenn unsere Kinder nicht mehr sicher sind – Teil 3

Last updated on 19. Oktober 2021

Transkript der Rede „Psychologische Sicherheit“ als Grundvoraussetzung für gesunde Entwicklung von Caroline El-Tibi gehalten beim AfA-Treffen, September 2021.

Unsere Gesellschaft befindet sich seit 18 Monaten im „Survival mode“. Der Survival, im Gegensatz zum „Thrive mode“, kennt drei Hauptreaktionsmuster: fight, flight or freeze. Und genau das sehen wir auch in unserer Gesellschaft zurzeit: die einen kämpfen, die anderen packen ihre Koffer und verlassen das Land und die dritten… die tun einfach gar nichts. Sie erstarren innerlich im Angesicht des globalen Desasters und der immer weiter geschürten Angst vor dem unsichtbaren Feind und der offensichtlichen Unfähigkeit, diesen erfolgreich zu bekämpfen.

Es ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass sich langanhaltender Stress auf unsere körperliche Gesundheit auswirkt und Krankheit verursachen kann. Alleine schon durch Gedanken kann eine Stressreaktion in unserem Körper ausgelöst werden. Wenn dieser Stress anhält und auch durch eigenes Handeln nicht oder nur kurzfristig abgebaut werden kann, entsteht ein Zustand dem man im Englischen auch als „dis-ease“ bezeichnen kann.

Während wir Erwachsenen zwischen fight, flight oder freeze wählen und auch wechseln können, und damit noch einen gewissen Aktionsradius haben, bleibt den Kindern unserer Gesellschaft meistens nichts anderes, als passiv im freeze Modus zu verharren.

Schauen wir uns mal genauer an, was das bedeutet.

Ich bin kein Mediziner und auch kein Neurowissenschaftler. Ich möchte darauf nochmal kurz verweisen. Deshalb werde ich die Zusammenhänge hier nur ganz grob darstellen und es geht mir einzig und alleine um die Bewusstwerdung, wie Dauerstress, der für uns Erwachsene schon fast zur Normalität geworden ist, nun auch unsere Kinder beeinflusst.

Wenn wir uns im Survival Mode befinden, dann sind wir nicht mehr kreativ, ausgeglichen, fokussiert und positiv. Genau das, was Kinder eigentlich ausmacht. Lösungen zu finden und andere in Entscheidungsprozesse offen mit einzubeziehen fällt uns schwer, genauso wie Vertrauen, Offenheit, Transparenz und die Fähigkeit, Herausforderungen anzunehmen.

Unser Blickfeld engt sich ein, der sog. Tunnelblick entsteht, unsere Sinneswahrnehmung ist eingeschränkt und eine übermäßige Ausschüttung von Cortisol kann zu einer ganzen Menge körperlicher Symptome führen, wie z. B chronische Müdigkeit, Migräne oder Schlaflosigkeit.

Warum sind unsere Kinder jetzt diesbezüglich besonders gefährdet? Nun, ganz einfach, weil sich ihr Gehirn noch deutlich stärker entwickelt, weil sie der permanenten Stresssituation kaum entkommen können, weil in vielen Fällen emotionaler Ausgleich durch Sport oder andere Hobbies nicht mehr wie gewohnt stattfinden kann, emotionale „Zufluchtsorte“ wie Großeltern oder Freunde plötzlich wegfallen, und das allerschlimmste von allem noch dazu kommt, nämlich, dass man Ihnen ohne Ihr Zutun Schuld einredet und sie als potentielle Gefahrenquelle und Krankheitsüberträger bezeichnet.

In anderen Ländern ist die Situation noch extremer. So weiß ich z.B. von Vietnam, wo Menschen in großen Städten wie Ho Chi Minh City oder Hanoi seit Monaten im Lockdown festsitzen, dass Kinder überhaupt nicht mehr das Haus oder die Wohnung verlassen dürfen. Während Erwachsene wenigstens noch für wichtige Erledigungen und den Lebensmitteleinkauf zweimal in der Woche „nach draußen“ können, gibt es für Kinder keinen offiziellen Grund, das Haus zu verlassen.

Was macht das mit dieser Generation von Kindern?

Was können wir tun? Was können wir tun, wenn die Möglichkeiten im Außen zu agieren immer stärker eingeschränkt werden. Natürlich! Kämpfen! So wie schon so viele tun.

Aber was noch?

Wir brauchen etwas, dass uns die Kraft gibt, uns über das zu erheben, was hier gerade passiert. Wir müssen aus dem Überlebensmodus herauskommen und das erreichen wir über verschiedene Wege.

Wir sollten uns Oasen schaffen, in denen wir Psychologische Sicherheit erfahren. Das kann in der Familie sein, oder in einem Kreis auserwählter Freunde oder in einer Organisation.

Wir sollten uns darüber bewusstwerden, dass wir mit unseren tiefsitzenden Glaubensätzen, unser Denken und damit wiederum unser Fühlen, unsere Handlungen und unsere Ergebnisse beeinflussen. Es macht also durchaus einen Unterschied, ob ich die Welt im Unterbewusstsein als grundsätzlich „böse und feindselig“ oder „gut und sicher“ wahrnehme.

Unser Unterbewusstsein ist sehr viel kraftvoller und wichtiger, als wir ihm zugestehen wollen. Es scannt jeden Tag unser Umfeld nach Beweisen, die uns unsere Glaubenssätze bestätigen. Glaubenssätze sind also in einem gewissen Maße selbsterfüllende Prophezeiungen.

Wir sollten uns ebenfalls darüber im Klaren sein, dass wir unseren Kindern (und damit meine ich nicht nur unsere eigenen!) ein permanentes Vorbild sind. Wie wir mit bestimmten Problemen umgehen, unsere Stimmung davon beeinflussen lassen, auf Druck und angstmachende Nachrichten reagieren, nehmen die Kinder mit seismographischer Genauigkeit auf. Darf ich an die Spiegelneuronen erinnern, Nervenzellen in unserem Gehirn, die u. A. auch dafür sorgen, dass sich das, was andere uns vorleben, bei uns einprägt.

Klaus Bernhardt, deutscher Angst-Therapeut, bestätigt, dass Angst ein erlerntes Verhalten ist und dass oft Grundlagen für spätere, psychische Störungen schon in der Kindheit und in der Schule gelegt werden. (In seinem Buch „Panikattacken und andere Angststörungen loswerden“, das in der Corona Pandemie ein Bestseller war, beschreibt er übrigens sehr gute Wege, aus der Falle der Angst herauszukommen.)

Was können wir noch tun?

Wir sollten immer wieder lernen, bewusst die Perspektive zu wechseln. Nein, das ist kein billiger Taschentrick! Das ist eine sehr wirkungsvolle Methodik, die dazu führt Zugang zu ganz neuen Ressourcen zu bekommen.

Es ist z.B. ein Unterschied, ob ich das Leben als eine ständige Herausforderung betrachte, oder als ein Privileg. Der Unterschied liegt in der veränderten Energie, die mit dem Perspektivwechsel einhergeht.

Alles beginnt im Kopf. Freiheit, Sicherheit und auch Gesundheit.
Wenn uns klar ist, dass Gedanken Stressreaktionen auslösen und zu Krankheit führen können, dann können sie auch zu Gesundheit führen. Unsere Gedanken haben eine Auswirkung auf unser Gehirn, unseren Körper und unser Herz. Deshalb sollten wir Programme entwickeln, die speziell Kinder unterstützen, ihr Wohlergehen und ihr Immunsystem zu verbessern, indem sie z.B. die wunderbare Kraft des Unterbewusstseins nutzen, um sich selbst zu stärken.

Dr. Joe Dispenza nennt diese Arbeit „Mind derived health optimisation“.

Es muss uns klar sein, dass man Angst auch wieder verlernen kann. Der Schlüssel hierzu liegt in der Neuroplastizität unseres Gehirns, das sich ganz nach der individuellen Nutzung ständig und bis ins hohe Alter verändern kann. Viele Ärzte und Wissenschaftler arbeiten zudem daran, Erkenntnisse aus den Bereichen Medizin, Neurowissenschaft, Biologie, Epigenetik und Quantenphysik zusammenbringen und liefern hier ganz großartige neue Erkenntnisse, Methoden und Ansätze. Ich will hier nicht zu weit eintauchen, aber es ist doch spannend, dass es Untersuchungen gibt, die zeigen, dass die Quantentheorie und die Psychologie untrennbar miteinander verbunden sind.

Spannend ist auch, dass die Forschungsarbeiten der Quantenphysik z.B. zeigen, dass die subatomare Welt durch unsere Beobachtung alleine, also unser Bewusstsein, beeinflusst werden kann. Dies bestätigt auch, welch außerordentlich große Macht die Medien auf uns und unsere Welt haben.

Und der Biologe Dr. Rupert Sheldrake hat Pionierarbeit auf einem Gebiet geleistet, das zuvor kaum Beachtung in der Wissenschaft gefunden hat, ihm aber auch große Kritik und Ablehnung eingebracht hat. Nach seiner Meinung gibt es sogenannte morphische oder morphogenetische Felder, die sich in unsichtbaren Netzen um die Erde spannen und global betrachtet ein gemeinsames, alles durchdringendes Energiefeld bilden. Ganz grob bedeutet das, dass wir alle miteinander verbunden sind und was auf einem Kontinent gefühlt und geäußert wird, auf einem anderen Kontinent ankommt. So könnten sowohl bahnbrechende Erkenntnisse und Erfindungen als auch evolutionäre Entwicklungen, die gleichzeitig an verschiedenen Orten auf der Welt entstanden sind, erklärt werden.

Was heißt das in der Konsequenz? D. h. doch, dass das, was ich denke und fühle eine Auswirkung im Außen. Mehr noch: dass, das, was wir alle denken und fühlen, ebenfalls eine Auswirkung auf das Ganze und ggf. auf den Ausgang einer Entwicklung hat.

Ich weiß, ich begebe mich hier auf dünnes Eis und der ein oder andere mag jetzt denken „Jetzt wird es mir zuviel!“.

Aber worum geht es mir hier?

Wichtig ist mir zu betonen, dass, wenn uns mehr und mehr klar wird, was mit uns und unseren Kindern passiert und dass Angst und Spaltung unsere Feinde sind, wir anhalten, tief durchatmen und gegensteuern können. Jeden Tag ganz bewusst langsam, aber sicher gegensteuern.

Worum ging es mir noch?

Festzustellen, dass wir raus müssen aus dieser Stress- und Angst-Kultur. Eine Kultur ist nichts anderes als eine Sammlung von Glaubensätzen, auf denen das Verhalten der Einzelnen basiert. Die Deutschen haben durch ihre Historie tiefsitzende negative Glaubenssätze über sich selbst entwickelt, denen es gilt, entschieden, wirkungsvoll und dauerhaft entgegenzuwirken, um Ihnen zu helfen, aus der emotionalen Starre herauszukommen.

Mehr und mehr Orte zu schaffen, an denen wir „Psychologische Sicherheit“ finden, uns also offen, ohne Angst vor Zurückweisungen oder Sanktionen frei äußern und austauschen können, ist ein Schlüsselansatz für diesen Weg.

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