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Wenn unsere Kinder nicht mehr sicher sind – Teil 2

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Transkript der Rede „Psychologische Sicherheit“ als Grundvoraussetzung für gesunde Entwicklung von Caroline El-Tibi gehalten beim AfA-Treffen, September 2021.

Psychologische Sicherheit, d.h. das Gefühl, sich in einer Gruppe oder Gesellschaft offen äußern zu können, ohne beschämt, abgewiesen oder sonst wie negativ sanktioniert zu werden ist insbesondere für die gesunde Entwicklung von Kindern sehr wichtig. Im ersten Teil dieser Serie wurde bereits erläutert, dass die Psychologische Sicherheit in unserer Gesellschaft in den letzten 1 1/2 Jahre abgenommen hat und darunter unsere Kinder ganz besonders leiden.

Ein wichtiger Grund dafür ist das tägliche Maskentragen in der Schule. Ein Ort an dem Psychologische Sicherheit von größter Bedeutung ist.

Es gibt bereits Studien, die sich mit der Frage auseinandersetzen, welche psychologischen und psychosozialen Folgen das langfristige Maskentragen auf unsere Gesellschaft haben wird.

Im Bereich der Neurowissenschaft hat sich das interdisziplinäre Feld der Social Cognitive Neuroscience entwickelt, die das Menschliche Verhalten innerhalb der Gemeinschaft erforscht. Hier und auch in anderen Fachbereichen gibt es verschiedene Studien und Arbeiten, die allerdings zu unterschiedlichen Ergebnissen führen. Während einige Wissenschaftler hervorheben, dass der Mensch durchaus in der Lage sei, die fehlenden Informationen durch Körperhaltung, Tonlage der Stimme etc. zu kompensieren, erkennen andere an, dass das Maskentragen gravierende Auswirkungen auf unser soziales Miteinander hat.

Manfred Spitzer, deutscher Neurowissenschaftler und Psychiater sowie Professor für Psychiatrie und ärztlicher Direktor der Psychiatrischen Universitätsklinik Ulm brachte z.B. in seinem 2020 veröffentlichten Papier mit dem Titel „Masked education? The benefits and burdens of wearing face masks in schools during the current Corona pandemic” eindeutig zum Ausdruck, dass die Belastung durchs Maskentragen für Schüler und Lehrer hoch seien, ernst genommen werden müssen und beide Seiten darüber aufgeklärt werden sollten.

Im Abstrakt heißt es “(…)Das Bedecken der unteren Gesichtshälfte verringert die Fähigkeit zu kommunizieren, zu interpretieren und den Ausdruck derer, mit denen wir interagieren, nachzuahmen. Dadurch werden positive Emotionen weniger erkennbar und negative Emotionen verstärkt. Emotionale Mimikry, Ansteckung und Emotionalität im Allgemeinen werden reduziert und dadurch die Bindungen zwischen Lehrern und Lernenden, der Gruppenzusammenhalt sowie das Lernen im Allgemeinen – wofür Emotionen ein wesentlicher Treiber sind – reduziert.“

In einem im Juni 2020 im Journal of Cosmetic Dermatology erschienen Fachbericht, der sich auf zahlreiche wissenschaftliche Studien bezieht, mit dem Titel “Masking“ our emotions: Botulinum toxin, facial expression, and well-being in the age of COVID-19“ heißt es:


„Wie oben besprochen, ist die Fähigkeit, den emotionalen Zustand anderer zu interpretieren und sich über Gesichtsmimikry auszutauschen in unserer DNA verwurzelt und in unseren täglichen Interaktionen mit unseren Mitmenschen sehr wichtig. Soziale Interaktionen sind immer ein dynamischer Informationsaustausch.  (…) Die Verwendung einer Maske verhindert diese unbewusste Verbindung, indem sie die untere Gesichtshälfte bedeckt, so dass die Augenregion alleine verwendet werden muss, um Emotionen zu messen und darauf zu reagieren. Das Problem dabei ist, dass wir nicht darauf konditioniert sind, unsere Emotionen auf diese Weise zu kommunizieren oder auszudrücken. Dies führt zu erheblichen emotionalen Fehlwahrnehmungen und negativen Gesichtsrückmeldungen auf unseren eigenen Gesichtsausdruck, die sich direkt auf unsere Stimmung auswirken.“

Darüber hinaus wurde in diesem Artikel auch darauf hingewiesen, dass durch das Maskentragen nicht nur das Erkennen des emotionalen Zustands des Gegenüber deutlich erschwert wird, sondern die Maskenträger (und das ist jetzt sehr interessant!) auch ihre eigenen Gefühle nicht mehr richtig wahrnehmen, da sie sich nicht mehr die Mühe machen, durch einen sich normalerweise ständig verändernden Gesichtsausdruck mit dem Gegenüber zu kommunizieren, da dieser den emotionalen Ausdruck im Gesicht sowieso nicht wahrnehmen kann. Der Gesichtsausdruck macht nur Sinn, wenn er auch wahrgenommen und erwidert werden kann. Es fehlt also der Anreiz. Das wiederum hat Auswirkungen auf den eigenen emotionalen Zustand. Dieser Ansatz kommt aus der „Theory of embodied emotion“ oder auch Facial Feedback Hypothese (FFH), die besagt, dass unsere Gesichtsmuskeln und deren Bewegungen direkten Einfluss auf unsere eigene Stimmung haben.

Also führen Masken auf Dauer nicht nur zu Empathielosigkeit, sondern auch zu Gefühlsarmut. Wird nämlich unsere Fähigkeit, Emotionen zu fühlen oder zu spiegeln unterdrückt oder nicht genutzt, bildet sie sich zurück, ganz nach dem Motto „use it or lose it“.

Weitere wichtige Gründe, die zu sinkender Psychologischer Sicherheit für unsere Kinder führen, sind

  • die permanente Angst vor sozialer Ausgrenzung und Stigmatisierung in der Schule aufgrund der öffentlichen, d.h. im Klassenverband stattfindenden Testung der Kinder,
  • die Meinungsbeeinflussung und Bevormundung durch verängstige Lehrer und Schulleiter, aber auch durch Familienangehörige, Freunde und Bekannte.
  • die zunehmende Diffamierungskultur bei Nichteinhaltung vorgegebener Regeln in und außerhalb der Schule. (Stichwort „Die Maske sitzt nicht richtig!“)
  • die erzwungene Konformität und die unterdrückte Individualität, wenn es um den freien Meinungsaustausch speziell zu diesem Thema geht.
  • Und sicherlich gibt es noch mehr.

Was macht das nun alles mit unseren Kindern? Wie kann es sein, dass in einer so aufgeklärten und hochentwickelten Gesellschaft den psychologischen Effekten dieser erschreckenden Entwicklungstrends so wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird?

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