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Stell Dir vor, es ist eine Demo ….. und keiner geht hin

Last updated on 20. Oktober 2021

Wie oft hat man das als Aktivist schon gehabt: da macht man sich hunderte von Kilometern auf den Weg, schneidet sich womöglich die Zeit aus den Rippen und muss dann vor Ort feststellen, dass kaum weitere Gleichgesinnte hier sind.

Man überlegt sich dann, ob dieses Konzept des „friedlichen Aufstandes“, des „Aufklärens“ und „Stärke zeigen“ noch greifen kann, wenn niemand kommt. Frustration macht sich breit und man fühlt sich schnell wie Don Quijote in seinem Kampf gegen Windmühlen.

Aber ist die Situation wirklich verloren und hoffnungslos, nur weil keine Gleichgesinnten da sind? Oder kann man hier vielleicht doch noch Nutzen ziehen?

Tatsächlich gibt es eine Personengruppe, die immer da ist: Polizeibeamte.

Diese Personengruppe muss da sein. Sie sind zum Schutz der Versammlung (oder zur Überwachung derselben?) dorthin beordert worden. Und sie sind da – in Sicht- und Hörweite -, bis sie aus dem Einsatz entlassen werden.

Vorweg noch ein paar Fragen: Wen wollen wir eigentlich wirklich erreichen mit unseren Aktionen? Diejenigen, die schon Bescheid wissen? Wollen wir uns wirklich immer und immer wieder gegenseitig erzählen, was wir sowieso schon wissen? Oder wollen wir endlich wieder jemanden erreichen, der bis dato nicht Bescheid wusste? Diejenigen aufklären, die der Aufklärung bedürfen?

Das Leben ist kein Wunschkonzert und man muss immer das Beste aus der Situation herausholen, in der man gerade steht. Und viele Polizeibeamte vor Ort ist immer eigentlich eine gute Gelegenheit, unsere Botschaft an eine Gruppe weiter zu geben, die massiv der Aufklärung bedarf.

Hier jetzt ein kleiner Ausflug in die unendlichen Tiefen unseres Gehirnes. Um es verständlicher zu machen, stellen wir uns vor, wir sprechen über einen sehr leistungsfähigen Computer. Dieser Computer ist in der Lage, jede Sekunde 11 Millionen Bits an Informationen aufzunehmen, die ALLE auf der Festplatte abgelegt werden. Auf dem Bildschirm haben wir aber nur höchstens sieben Fenster offen, die uns mit bis zu 40 Informationen gleichzeitig bedienen. Mehr würde den Arbeitsspeicher überfordern.*

Was heißt das für uns? Ob wir eine Information bewusst wahrnehmen (auf dem Schirm haben) oder nicht, heißt nicht, dass diese Information nicht ankommt und sogar abgespeichert wird (auf unserer Festplatte ist).

Bei jedem Polizist im Dienst, ob er zuhört oder nicht, solange er die Worte verstehen kann, kommen die auch in seinem Hirn an und werden auch dort abgelegt. Und jede Information hat dort das Potential, im Unterbewusstsein weiter zu arbeiten, zu gären. Und diese unbewusst vorhandene Information wird wieder hervorgeholt, wenn eine passende bewusste Information sie findet oder die unbewusste Verarbeitung, die Gärung, sie wieder ins Bewusstsein bringt. Hier hilft die Vorstellung, die abgelegten Informationen sind ein riesengroßes dunkles Archiv und unser Bewusstsein ist eine Taschenlampe, die dort ständig auf der Suche ist.

Für uns heißt das, dass in jeder Demo, egal, ob viele Teilnehmer oder nicht, dass trotzdem auf jeden Fall viele – wenn auch nur unbewusste – Zuhörer da sind, die außerdem noch zur Zielgruppe gehören. Jetzt wenn wir – die Referenten – auch noch Fakten weitergeben, die die Zweifel an der Rechtmäßigkeit noch unterstreichen, wird es so sein, dass diese Fakten zumindest unbewusst dort ankommen und abgelegt werden. Und es kann sogar sein, dass der eine oder andere Polizeibeamte bewusst ins Grübeln kommt. Und schon wird die Taschenlampe in seinem Archiv heller und sucht auch noch zielgerichteter. Wir sind überzeugt, dass bei vielen jetzt kritisch hinterfragenden Polizeibeamten die Wahrheit bei solchen Gelegenheiten angeklopft hat. Und auch bei den immer noch systemtreuen Polizeibeamten hat es Momente wie diese gegeben, diese regelten aber das Licht bewusst wieder herunter und mussten sich wieder und wieder einreden, dass das alles schon seine Richtigkeit hat. Aber mit jedem Moment der Erleuchtung wird dies immer schwieriger.

Dies macht sich im Dienstbetrieb der Polizei bereits deutlich bemerkbar. Der Krankenstand – besonders bei geschlossenen Einsätzen im Rahmen der Corona-Maßnahmen – ist auffallend hoch. Des Weiteren findet hier ebenso eine Spaltung statt wie im Rest der Gesellschaft. Fronten werden gezogen, die Maßnahmen gegen kritische Polizeibeamte sind entsprechend härter, übelstes Framing wird betrieben. So sind Suspendierungen bekannt geworden von Polizeibeamten, die ihre Zweifel nur im kollegialem Rahmen in normalen Diskussionen bekannt gegeben haben. Die abstrusen Begründungen zu diesen Suspendierungen wären Thema eines eigenen Kommentars und würden hier den Rahmen sprengen. Faktenbasierte Argumentation ist hier jedoch kaum zu finden. Dieses diktatorische Prinzip – bestrafe einen, erziehe alle – wird immer heftiger umgesetzt.

Was heißt das jetzt für die Demo-Referenten, die vor leeren Plätzen mit relativ viel Polizeipräsenz ihre Reden halten? Bringt die Saat aus! Lasst der Wahrheit die Möglichkeit, in den Köpfen der Zuhörer heranzureifen. Unmittelbaren Erfolg bringt dies meist sicherlich nicht, aber es ist Sand im Getriebe des Systems. Wenn dann irgendwann genug Sand im Getriebe ist, wird es nicht mehr laufen. Jetzt schon kann man erkennen, dass hier vieles nicht mehr rund läuft.

Ein Kommentar zuerst erschienen bei „Polizisten für Aufklärung e.V.“

Bildquelle: https://echte-polizisten.de/stell-dir-vor-es-ist-demo-und-keiner-geht-hin/

Quellen:

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