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Stell dir vor, es gibt kein Geld mehr! “Saruj” – ein Zukunftsroman von Bilbo Calvez. Rezension

Als mir der Titel des hier zu besprechenden Buches von Bilbo Calves (hier und hier) unter die Augen kam, merkte ich auf: „Saruj. Stell dir vor, es gibt kein Geld mehr“. Sofort musste ich an Heidemarie Schwermer denken, welche in den 1990er Jahren öfters und auch danach in diversen Talkshows als „Die Frau, die ohne Geld lebt“ vorgestellt wurde. Bilbo Calvez hat uns Jetzigen einen Roman aus der Zukunft geschrieben.

Money Make The World Go Round“. In diesem Sinn sind wir Menschen konditioniert worden

Geld, Geld, Geld. Im Musical „Cabaret“ singt der Conferencier „Money Make The World Go Round“. Also ganz ohne Geld geht es offenbar nicht. Ginge es vielleicht schon. Nur können (oder vielmehr sollen) sich das zu Wenige auf der Welt vorstellen. Bis auf die oben bereits erwähnte Heidemarie Schwermer, welche ich Anfang der 1990er Jahre in Dortmund kennenlernte. Die Akademikerin gründete damals den Verein „Gib & Nimm“ in Dortmund, welchem ich beitrat. Ware gegen Ware oder Leistung gegen Leistung bedeutete das. Bargeldlos. Ein Tauschgeschäft. In jenen Jahren tauchten in mehreren Orten Deutschlands solche Tauschringe auf. Getauscht wurden Hilfeleistungen untereinander. Einige dieser Tauschringe nahmen Bezug auf die Theorien des deutsch-argentinischen Kaufmanns Silvio Gesell, andere bauten sie aus oder entwarfen neue Modelle. Gesell war Finanztheoretiker, Sozialreformer und Begründer der Freiwirtschaftslehre. Auf Vorschlag von Erich Mühsam und Gustav Landauer war er als Finanzminister in der Münchner Räterepublik tätig (siehe auch bei Wikipedia)

Tauschringe entstanden in 1990er Jahren in mehreren Gegenden Deutschlands. Ich selbst konnte mir damals nur bis zu einer gewissen Grenze vorstellen, wie das für eine ganze Gesellschaft funktioniere sollte. Kein Wunder: So sind wir Menschen konditioniert worden. Obgleich ich damals schon verstanden hatte, dass es mit unserer Gesellschaft, wo sich nahezu alles um Geld drehte – während soziale Probleme zunahmen und die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinanderging – so nicht auf alle Ewigkeit weiter und schon gar nicht gut gehen konnte. Als Nischengeschichte ergaben Tauschgeschäfte dagegen damals schon Sinn.

Heidemarie Schwermer bewunderte ich seinerzeit sehr. Nicht nur, weil sie einmal ihre Idee, mutterseelenallein nächtens unter einem Baum im Sauerland zu verbringen, umsetzte. Auch weil sie später wirklich vermochte vermochte im Prinzip ohne Geld leben. Sogar ihre Krankenversicherung hatte sie gekündigt. Den Mut hätte ich nicht gehabt. Leider verstarb sie 2006 an einem Krebsleiden. Da war sie bereits in Rente und darüber inzwischen wieder krankenversichert.

Ohne Geld leben?

Bilbo Calvez, eine vielseitige Künstlerin – deren Schaffen mir u.a. über ihr Kunstprojekt „die Bärensuppe“ („Wie wäre dein Leben in einer Welt ohne Geld?“) bereits bekannt war – hat uns sozusagen nun einen Roman aus der Zukunft geschrieben. Er erschien im Dezember 2021. Aus einer Welt die geldfrei funktioniert. Das Thema „eine Welt ohne Geld“ beschäftigt Calvez also schon länger. Und ein weiteres Mal wurde ich getriggert!

Der Finanz- und Wirtschaftsjournalist Norbert Häring schreibt seit einiger Zeit über Aktivitäten der Better Than Cash Alliance (Besser-als-Bargeld-Allianz), die zumindest auf die Abschaffung des Bargeldes hinarbeitet. Laut Ernst Wolff (Finanzexperte, Autor) steht zu befürchten, dass in Zukunft Papier- und Münzgeld gänzlich abgeschafft und dafür ein elektronisches Geld eingeführt wird. Dann droht freilich absolute Kontrolle über uns. Und Menschen, welche dem Staat unliebsam geworden sind, könnte plötzlich der Geldhahn zugedreht werden. Wolff sieht Anzeichen dafür, dass die Corona-Krise dafür genutzt werden könnte, ein elektronisches Geld und vielleicht sogar darüber hinaus ein Sozialkreditsystem einzuführen. Weil längst eine neue, noch viel härtere Finanzkrise drohe als 2008, die nicht wieder so zu stemmen (auf Kosten der Staaten) sei, wie damals. Beides verheißt nichts Gutes für uns Menschen.

Bilbo Calvez‘ Welt sieht im Vergleich dazu gänzlich anders aus.

Apropos Corona-Krise! Überhaupt wirkt ja die Corona-Krise seit zwei Jahren wie ein überdimensionales Brennglas, welches uns alle gesellschaftlichen, ökonomischen, ökologischen, finanzpolitischen und sonstigen Probleme stark vergrößert warnend glasklar vor Augen führt.

Zum Buch

„Im tiefsten Inneren haben sich die Menschen schon lange vor der Transition Frieden und eine Welt ohne Geld gewünscht. Nur galt dieser Traum als eine unerreichbare Utopie. Das Auflösen dieses Glaubenssatzes war die schwierigste Aufgabe der Transition.

Der Zukunftsroman ‘Saruj, Stell dir vor, es gibt kein Geld mehr’, begleitet die Leser in einer Welt, wo es weder Geld, Regierungen, Rechtsapparat, Kriege noch Grenzen gibt. Dafür Raum für Vertrauen, Liebe und Heilung.“

Im Roman wird uns von der Begegnung eines Menschen, der eine Welt ohne Geld nicht kennt erzählt. Es ist diejenige des 18-jährigen Kevalam, was in Sanskrit allein, „der Einzige“ bedeutet, sowie der 29-Jährigen Saruj (Hauptprotagonistin; der Name steht im Sanskrit für Empathie), welche am Tag der Abschaffung des Geldes geboren wurde. Geld kennt sie nur aus Erzählungen. Eine interessante Konstellation also! Beide jungen Leute treffen im wahrsten Sinne des Wortes – durch einen Unfall – aufeinander. Sie gehen zusammen auf eine Wallfahrt von Mystikern durch die Germanofonie (meint Deutschland, die Deutschschweiz und Österreich). Die alten Ländernamen sind per du. Der Sinn der Wallfahrt: die von früheren Generationen verunreinigten Böden, die Wälder und die Gewässer zu reinigen. Was auch auf die Atmosphäre von Gebäuden zutrifft, deren Geist es zu klären gilt, welche früher Leid verursacht hatten (Schlachthöfe, Gefängnisse).

Im ersten Teil Buches (es soll fortgesetzt und eine Trilogie werden) bewegen sich Saruj und Kevalam durch das frühere Deutschland.

Mit Kevalam können wir Leserinnen und Leser uns identifizieren. Er, der aus der alten Welt ist, in welcher wir ja nach wie vor leben, erfragt und vor allem: hinterfragt alles, was er über die Welt ohne Geld erfährt. Deswegen nennen ihn die anderen auch „Reporter“. Sie als Leser werden es erleben: Es dürften ihnen während der Lektüre die gleichen Fragen kommen wie Kevalam sie stellt. Kann denn diese Welt ohne Geld, ohne Regierung, ohne Justiz ohne Strafanstalten, Kriege und Grenzen wirklich funktionieren? Was ist denn, fragt sich Kevalam, wenn jemand die eigene Freundin vergewaltigt und dann nicht vor Gericht und zur Bestrafung ins Gefängnis kommt?

Wie soll die Gemeinschaft, wie er selbst, mit so jemanden weiter zusammen in einer gemeinsamen Gesellschaft leben?

Auch diesbezüglich triggerte es mich wieder! Ich musste an Dr. Eugen Drewermanns Vortragsreihe „Richtet nicht!“ denken, die ich wöchentlich auf You Tube verfolge. Dort behandelt Drewermann das Thema Strafrecht & Christentum. Dazu ist ebenfalls ein Buch erschienen.

Und die Leute aus der neuen Gesellschaft beantworten Kevalams Fragen stets geduldig und verständnisvoll. Wir Leser staunen oder wundern uns über das Leben in der geldfreien Welt bisweilen schon. Und als Leser fragt man sich schon hier und da: Könnte ich mir das für mich selbst vorstellen, dieses Leben? Schon deswegen lohnt sich das Buch zu lesen. Es regt immer wieder zum Nachdenken und zum Reflektieren unserer derzeitigen Wirklichkeit oder des bisher vergangenen eigenen Lebens an.

Neben aller Brüderlich- bzw. Schwesterlichkeit der Menschen in der Welt ohne Geld und das Zusammenspiel mit Androiden und aller praktizierter Friedlichkeit im Umgang untereinander existiert ja auch immer noch Eifersucht zwischen Liebenden. Auch zwischen Saruj und Kevalam knistert nicht nur elektrisierende Liebe sondern es kommt auch schon mal Eifersucht auf. Aber Freiheit ist eines der höchste Güter in dieser neuen Gesellschaft. Saruj strebt eine geradezu hundertprozentige Freiheit an. Man kommt zwar immer wieder miteinander aus. Trotz kleiner Unstimmigkeiten oder Missverständnisse.

Dennoch ist längst nicht alles perfekt im Leben unter den Geldfreien. Und man liest deshalb schon mal, wie Saruj feststellt: „Es ist noch Luft nach oben.“ Immer wieder fühlt man sich da als Leser angestoßen, die Probleme selbst einmal aus eigener Sicht zu beurteilen. Und kommt womöglich zu verblüffenden Ergebnissen.

Gewiss kommen wir sogar darauf, uns zu fragen, wie viel Kontrolle wir letztlich bereit sind zuzulassen beziehungsweise hinzunehmen. Dass wir uns Freiheit bewahren, sie ausweiten und vor allem: verteidigen müssen. Da klingt leise auch das System der Corona-Maßnahmen hindurch. Derweil war an Corona noch gar nicht zu denken gewesen, als das Buch entstand.

Es geht eben beim Zusammenleben in der geldfreien Welt immer auch um gegenseitiges Vertrauen zueinander und Verantwortung füreinander. Wozu auch Achtsamkeit im Allgemeinen gehört sowie das Denken über die eigene Person hinaus eine Notwendigkeit ist.

Das sollte uns Heutigen viel sagen!

Ein origineller, aber umso einleuchtendere Einfall Bilbo Calvez‘: Sie hat eigens für den Zukunftsroman eine Grammatik der Zukunft (S.491) erschaffen. Keine Angst, mit Gendern hat das nichts zu tun. Es gibt sogar eine genderneutrale Grammatik.

Sie schreibt:

Die Sprache der Zukunft hat sich verändert. Es sind neue Wörter dazu gekommen, ein vierter Artikel und eine Weltsprache: das Globische. Der Fließtext nutzt diese neuen Worte. Auch das Weglassen des >s< im Genitiv für neue Worte wird im Fließtext berücksichtigt. Zwar sind noch weitere Veränderungen in der Sprache der Zukunft entstanden, jedoch werden, um den Leser nicht zu überfordern, nur einige neue Worte und die genderneutrale Grammatik verwendet.“

Als ich im Buch auf die ersten Neusprachsprengsel stieß, verzog ich kurz die Mundwinkel, murrte leicht und befürchtete das Schlimmste. Was indessen nicht eintrat. Erst ruckelte es etwa bezüglich des Leseflusses. Dann aber hatte mich erstaunlich schnell eingelesen und fand die mir die umgemodelten Worte fast normal.

Es schließt sich ein Glossar (S.501) an.

Fazit

Dem Motto „Eine andere Welt ist möglich“ hat sich das globalisierungskritische Netzwerk Attac verschrieben. Bilbo Calvez hat sich große Mühe gegeben, um uns diesen Zukunftsroman zu schreiben.

Dafür ist ihr Respekt zu zollen. Immerhin ist sie keine deutsche Muttersprachlerin. Eingangs schreibt sie:

„Herzlichen Dank an Henriette Kordasch, die Hebamme dieses Buches, die mich geduldig und liebevoll durch den Schreibprozess begleitet hat.“

In ihm wird eine andere Welt beschrieben. Das ist interessant und spannend. Ein gelungener Roman, weil er uns Leser sehr zum nachdenken bringt. Wir merken nämlich im Verlauf des Buches wie verkrustet unsere Gesellschaft ist. Alles hunderte von Jahren eingefahren. Obwohl sich im Verlaufe dessen auch viel geändert hat, ist selbst das längst wieder im Argen und bedroht. Der Roman lehrt uns, wie festgefahrene, eingeschliffene Muster unsere Freiheit beschneiden und unser Glück beeinträchtigen. Und wir erfahren wie sehr unsere Gesellschaft vom Geld geprägt ist. Viele Menschen wissen über das Geld, obwohl es schon so lange existiert, recht wenig. Alleine, wie es überhaupt entsteht, es geschaffen wird, wissen erschreckend wenig Menschen. Manche Unkenntnis betrifft sogar Banker!

Ein Blick in Bilbo Calvez‘ geldfreie Welt bringt uns, die wir in straff konditionierten Gesellschaften mit wachsenden, beängstigenden Problemen leben, in einer Welt, die angeblich – wie es in „Cabaret“ gesungen wird – durch Geld zum Drehen gebracht wird – aber doch nur immer mehr Geld den Jahr für Jahr immer reicher werdenden Reichen in die Hände scheffelt, auf hoffentlich konstruktive Gedanken.

Unbedingte Lese-Empfehlung!

Ich warte gespannt auf die Fortsetzungen!

Saruj. Stell dir vor, es gibt kein Geld mehr

von Bilbo Calvez

Ein Roman aus der Zukunft / Neuerscheinung Dezember 2021

Im tiefsten Inneren haben sich die Menschen schon lange vor der Transition Frieden und eine Welt ohne Geld gewünscht. Nur galt dieser Traum als eine unerreichbare Utopie. Das Auflösen dieses Glaubenssatzes war die schwierigste Aufgabe der Transition.

Der Zukunftsroman ‘Saruj, Stell dir vor, es gibt kein Geld mehr’, begleitet die Leser in einer Welt, wo es weder Geld, Regierungen, Rechtsapparat, Kriege noch Grenzen gibt. Dafür Raum für Vertrauen, Liebe und Heilung.

Verlag Meiga

€ 19,80

Hier bestellen.

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Via selbstgewähltem Preis bei Freie Edition hier bestellen.

Beschreibung

›Saruj‹ ist eine Fiktion, ein Liebesroman in einer Zukunft, in der es weder Geld noch Tausch, Grenzen noch Regierungen, Polizeiapparat noch Kriege gibt. Eine Gesellschaft die nach vollkommener Freiheit strebt.
Saruj (Empathie in Sanskrit), 29, ist am Tag der Geldabschaffung geboren. Aufgewachsen ist sie in einer Lebensgemeinschaft in den Pyrenäen und mehr als ein Drittel ihres Lebens ist sie als Nomadin zu Fuss durch die Welt gereist. Sie ist eine Idealistin und steht in der Geschichte des Buches für die Freiheit.
Kevalam (Allein in Sanskrit) ist der letzte Sohn eines Ultrareichen, Saman. Der Patriarch war der Meinung, als das Geld an Bedeutung verlor, dass die geldfreie Gesellschaft nur von kurzer Dauer sein würde. Daher hat er für sich und seine Familie eine autarke Siedlung errichtet, die von der Welt komplett abgeschottet ist. Seinem Sohn wurde erzählt, dass in der Welt ›da draussen‹ nur Mord und Totschlag herrscht.
Die Handlung beginnt als Saman stirbt. Kevalam, gerade 18 Jahre alt, sieht die Außenwelt zum ersten mal. Mit dem Fahrzeug seines Vaters fliegt er aus der Siedlung heraus und verursacht bald einen Unfall. So trifft er auf Saruj.
Saruj war auf dem Weg zu einer Sannyasinii, die zusammen mit anderen Mystikern eine Wallfahrt durch den deutschsprachigen Raum organisiert, um die Böden, Seen und Gebäude energetisch zu reinigen. Einige diese Mystiker sind über 100 Jahre alt und sind somit noch Zeitzeugen der sogenannten ›Transition‹.
Kevalam entscheidet Saruj zu folgen und bei der Wallfahrt dabei zu sein. Ihm fällt es zunächst schwer zu akzeptieren, dass eine Welt ohne Geld friedlich funktionieren kann. Er fürchtet sich vor Sicherheit- und Gerechtigkeitsverlust. Beides kann seine Überzeugungen nach, nur mit Geld und Kontrolle gewährt werden. Mit der Unterstützung Sarujs und der geduldigen Sannyasins, lässt er sich nach und nach auf diese neue Gesellschaft ein und entdeckt ihre Schönheit.
Dieses Werk ist der Abschluss des Projektes  ›die Bärensuppe‹, ein Projekt das sich auch mit der Vision einer geldfreien Gesellschaft beschäftigt. ›Die Bärensuppe‹ ist eine interaktive Ausstellung, die den Besuchern ein Experimentierfeld bietet, wo Vertrauen und Entscheidungen im Konsens geübt wird. Die Gäste bringen die Zutaten, und eine Suppe wird ohne die Leitung eines Chefkochs gekocht. Das gemeinsame Ziel ist, dass die Suppe schmeckt. Irrelevant dabei ist wer wie viel – oder gar nichts – mitbringt. Seien es Zutaten, Hunger oder aktives Mitmachen. Die Übung ist gegenseitige Achtsamkeit zu erfahren, seine Wünsche auszudrücken, die Fülle zu erleben (es gab stets ›mehr als zu viel‹) und Widerstände abzubauen. Ein Vorgeschmack einer hierarchielosen Gemeinschaft wird gegeben. Bei diesem Projekt musste ich mich, Dank der Zweifel der Besucher sehr stark mit den Grenzen dieser Idee beschäftigen und selbst nach konkreten Lösungen suchen. Nach fünf Jahren, war ich bereit diese Fragen, samt praxisorientierter Antworten, in einen Roman einzubinden. Das Buch ist sowohl eine ›Bedienungsanleitung‹ als auch eine Inspiration, wie neue Wege eingeleitet werden können.

Ob eine geldfreie Gesellschaft tatsächlich schon in 40 Jahren entstehen kann ich nicht versprechen, aber mir war es in diesem Buch ein Anliegen, eine zeitnahe Zukunft zu beschreiben. Einerseits, damit einige Zeitzeugen der ›T ransition‹ in dem Buch zu Wort kommen können und andererseits, damit diese Vision für den Leser fassbarer wirkt und deshalb Lust zum jetzigen Handeln gibt. Als Künstlerin geht es mir um die Endvision, wo die Reise schließlich hingeht, weiß niemand. Dieses Buch soll inspirieren und Mut geben. Jeder Schritt in Richtung einer friedlicheren Gesellschaft zählt. 

 ›Saruj‹ ist eine Trilogie und  ›Stell dir vor, es gibt kein Geld mehr‹, Band 1.

INfOS: https://www.bilbo.calvez.info/saruj

Die Autorin über sich

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Bilbo Calvez. Foto via Bilbo Calvez.

Aufgewachsen bin ich in einem Pariser Vorort. Mit 22 und einem Master in Genetik (Maitrise de Biologie des organismes et des populations) in der Tasche zog ich 1985 nach Berlin, weil ich von meinem Pantomimenpartner gehört hatte, dass man dort kein Geld zum überleben braucht und ich in Paris zwischen meinen Jobs als Briefträgerin, Mathelehrerin und Pantomime in Montmartre – plus Studium und ehrenamtlicher Arbeit in einem Radiosender – kaum noch Zeit zum Schlafen hatte. In Berlin brauchte ich tatsächlich wenig Geld, um zu überleben und schaffte es sogar, ohne einen Cent einen 16mm-Kurzfilm zu realisieren. Es folgten mehrere Filme, darunter ›Schön, dass wir nicht, wie die anderen sind‹ ein Kurzfilm, der beim Wettbewerb der Grünen ›und fremd bist du‹ den 4.Platz erhielt und ›Rhythm Control‹, der bei den Oberhausener Kurzfilmtagen den ersten Platz bekam. Dann hörte ich, dass RiasTV Mitarbeiter suchte und wurde dort als Cutterin eingestellt. Nach einem Jahr kündigte ich und arbeitete als freiberufliche Cutterin weiter.

Mehr als 25 Jahre lang fuhr ich dann mit 80 km/h auf der Autobahn des Lebens. Nur darauf achtend, dass ich rechtzeitig an Treibstoff kam, also ans Geld. Ich starrte gerade aus vor mich hin und sah keine Ausfahrt, suchte allerdings auch nicht danach. Es war nicht besonders aufregend, aber auch nicht besonders schrecklich und es hätte noch Jahre lang genauso weiter gehen können. Nun, 2012 geschah doch etwas. Ich wurde von einer Produktionsfirma so unverschämt behandelt, dass ich entschied, den Beruf der Filmschnittmeisterin an den Galgen zu hängen. Also die Autobahn zu verlassen. Ohne GPS und ohne Orientierungssinn. Scheiß aufs Geld, irgendwie werde ich schon überleben.

Nachdem ich zwei Kunstprojekte abgeschlossen hatte “Publik-Privat” über Gesichts -und Gehirnasymmetrie und “Faces of Love” über Langzeitsliebesbeziehungen, begann ich, mich immer mehr mit dem Thema Geld zu beschäftigen. Wie sehr Geld unsere Umwelt beeinflusst, das Leben aller Menschen und aller Lebewesen. Stress und Konkurrenz.

Bald kam mir die Überlegung “Wie wäre es, wenn es gar kein Geld gäbe?“ Ich meine damit nicht, dass wir alle zurück in den Wald gehen und nur vom Austausch leben sollen. Austausch wäre eigentlich auch Geld, nur wäre das unpraktischer und komplizierter. Gegen die natürliche Neugier des Menschen zu kämpfen, also gegen Entwicklung, Fortschritt und Technik, wäre meiner Meinung nach auch absurd und würde nicht von Dauer sein. Nun, als ich zu dieser Zeit diese Idee erläuterte, reagierten die meisten hochallergisch, um nicht zu sagen: panisch. Eine klare Vision fehlte. 2014 hielt ich deshalb als Zeitreisende eine Rede vor dem Brandenburger Tor in Berlin, in der ich eine Zukunft beschrieb, die in einer Gesellschaft ganz ohne Geld, Kriege, Grenzen und Regierungen funktioniert.

Anbei ein Interview mit der Autorin, das Michael Karjalainen-Dräger führte

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