Spontandemonstration gegen Maskenpflich im Unterricht

Hilflosigkeit. Ratlosigkeit. Verzweiflung. Aufgestaute Emotionen. Wut.

Das lag in der Luft, als zum 4. Mal gegen kurz nach 11 Uhr zunächst etwa 20 Mütter, Väter, Großmütter und weitere Mitstreiter vom Platz verwiesen wurden, auf dem sie sich in der Nähe des Bayerischen Landtages versammelt hatten, um gegen die Maskenpflicht im Unterricht, seit ein paar Tagen nun auch an Grundschulen, zu demonstrieren.

© Kathrin Feldmann / Bildarchiv Frische Sicht

Gestern Abend ging die Einladung hierfür durch einschlägige Kanäle:

Spontanes Treffen vor dem Bayerischen Landtag, Spontandemo wird noch angemeldet, initiiert von Eltern aus Dachau und München. „Wir wollen mit Herrn Söder sprechen. Wir treffen uns um 11 am Landtag, laufen dann gemeinsam zur Staatskanzlei, da ist Herr Söder und anschließend hat er um 13 Uhr eine Pressekonferenz, da gehen wir auch noch hin!“ Es wird gerade versucht, auch Bodo Schiffmann noch ins Boot zu bekommen, schon eine Menge Leute haben zugesagt zu kommen.

Die Polizei, mit schwerem Geschütz gerüstet, macht wiederholt darauf aufmerksam, dass sich die Demonstrierenden noch immer verbotenerweise auf Bannmeilengebiet befinden. Ein als Henker gekleideter Mann zieht an seinem Fahrrad einen Kindersarg hinter sich her mit deutlicher Aufschrift, zwei Polizisten sind dabei, seine Daten aufzunehmen: Anzeige wegen Vermummung. Der Mann trägt eine flächendeckende, schwarze Maske im Gesicht, die nur seine Augen zu erkennen gibt.

Ich wundere mich, dass es keinen festen, vereinbarten Platz gibt und frage mich zur Initiatorin durch, da ich davon ausgegangen war, dass es sich um eine angemeldete Versammlung handelt. Ein Eilantrag ja, doch keine Anmeldung. Ein paar Eltern hätten gestern spontan die Idee gehabt, sich vor dem Landtag zu versammeln und nun sei man erstaunt, dass doch so Viele hier seien. Und ich solle bitte unbedingt darauf hinweisen, dass es sich hier nicht um eine „Rechtsradikalendemo“ handelt!

Immer mehr Menschen kommen nun dazu, ein paar äußern sich lautstark gegenüber den Anweisungen der Polizei, sie wirken wie trotzige, beleidigte Kinder, denen man den Gang zum Spielplatz verwährt, weil sie noch Hausaufgaben machen müssen. Andere scherzen miteinander, und auch wenn vielleicht es bittere Scherze sein mögen, eine ernste Miene und sogar Tränen wären dem Anlass angemessener.

Es ist inzwischen 11.15 Uhr. Hier, hinter der zweiten Isarbrücke an der Kreuzung Steinsdorf/Maximiliansstraße dürfen die Demonstrierenden endgültig bleiben. Polizisten gruppieren sich Rücken an Rücken, noch immer scheinen es mehr zu sein als Teilnehmer, die neben ihnen schutzlos und verloren wirken.

Eine Frau, bekannt von anderen Versammlungen, spricht ein paar klarstellende Worte in ein Mikrofon. Worte, die uns, die wir hier um sie herum stehen, längst bekannt sind: Kinder sterben, fallen in Ohnmacht wegen der Masken, hinter denen sie zu wenig Frischluft bekommen, nachdem auch Lehrkräfte und Schulleiter die vorgeschriebenen Maßnahmen unbedingt und akribisch einhalten – Kinder, die keine Maske tragen, werden nach Hause geschickt, in vielen Fällen selbst dann, wenn sie ein ärztliches Attest vorzuweisen haben, Kinder werden täglich von ihren Erziehungsberechtigten abgeholt, weil sie über Schwindel, Kopfschmerzen, Übelkeit klagen. Maskenpflicht gilt nun auch im Sportunterricht und in den Klassenzimmern, auch wenn zusätzlich Abstände von 1,5 Metern eingehalten werden.

Ich frage die Rednerin nach ihrer Funktion: Sie wurde gebeten zu sprechen, sie versucht das Beste daraus zu machen, wäre normalerweise in der Arbeit…

Das Mikrofon wird weitergereicht an eine Mutter, die den Anwesenden aus der Seele zu sprechen scheint, als sie eine sofortige Aufhebung der so gearteten Maskenpflicht verlangt und dazu auffordert, in großer Zahl täglich Klagen einzureichen, Anzeige zu erstatten gegen Körperverletzung, eigenständig tätig zu werden.

Es gibt dankbare Zwischenrufe, Applaus, ermunternde Pfiffe.

Ich wende mich an Polizisten, deren Augen vielleicht so etwas wie Zweifel, irgendeine Emotion zeigen, doch jeder Einzelne von ihnen wimmelt mich genervt und nicht wenig aggressiv ab: man müsse arbeiten und erledige lediglich seine Pflicht, könne den „Schmarren“ nicht mehr hören, ich solle sie in Ruhe lassen mit dem „Geschwätz“.

Ratlos und etwas beschämt, was diese wenig durchdachte Spontanaktion betrifft, stelle ich mir Herrn S. vor, wie er und die Seinen diese Versammlung suffisant belächeln und sich ihre Teile denken, wenn überhaupt sie Notiz davon nehmen.

Ein paar Kinder im Kindergartenalter stehen etwas deplatziert auf dem kleinen Wiesenstück zwischen den beiden mehrspurigen Straßen, einen Keks, einen Apfelschnitz in der Hand oder einen Stift, mit dem einige von ihnen im Gras kniend eifrig Plakate bemalen, eine Mutter verteilt leere Kartonbögen mit der Aufforderung, diese einschlägig zu beschriften.

Das Mikrofon schweigt. Der Sprecher mittleren Alters, eine zarte Person mit feinen Gesichtszügen aus denen Klugheit und Sensibilität sprechen, scheint am Ende seiner Rede bevor er wirklich losgelegt hat, denn die Polizei sperrt hinter ihm die Straße und beginnt damit, all diejenigen, die keine Maske tragen, schriftlich zu erfassen.

„Sprich weiter,“ wird er eindringlich gebeten, „ sonst bekommt die Polizei mehr Aufmerksamkeit als wir hier.“

Eine Großmutter nimmt das Mikrofon an sich und erzählt, was sie alles bereits hörte und erlebte: Geschichten über die Qualen ihrer Enkel und deren Mitschüler, die Auswirkungen der Maske auf Gemüt und Allgemeinzustand, Ausgrenzung. Eine Weitere berichtet von Weiteren, die Ähnliches erleben… und als ein Herr sein selbstgedichtetes Lied lautstark in das mit derlei Frequenzen überforderte Mikrofon singt, ist für mich Zeit zu gehen, obwohl ich noch die Pressekonferenz besuchen wollte, um mich durchzuschlagen bis hin zu irgendwelchen Verantwortlichen, die ich über ihre Gefühle als bloße Menschen befragen wollte, wenn sie sich ein Kind von 6 Jahren vorstellen, dem erklärt wird, dass es eine Maske tragen müsse, weil es sonst Oma und Opa umbringt.

Wie ist es denn nun? Was sollen wir tun? Und tun müssen wir doch etwas. Oder etwa nicht? Die Frau neben mir wirkt resigniert: wir haben schon so Vieles versucht, nichts hat politisch bisher irgendetwas bewirkt.

Gestern Abend machte einer neuer Beschluss die Runde: OB Dieter Reiter hat offiziell die Maskenpflicht in den Klassenzimmern für Kinder Münchner Grundschulen gekippt, ab Jahrgangsstufe 5 müssen diese nur getragen werden, wenn ein Mindestabstand von 1,5 Metern nicht gewährleistet werden kann. Bleibt nur noch zu hoffen, dass die Landkreise diesem Beispiel schnellstmöglich folgen!

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Mit nun beinahe 50 und als Mutter zweier bald volljähriger Kinder, war mir als Musikerin - Sängerin, Pianistin, Akkordeon, Percussion - Ende März 2020 klar, dass musizieren in gewohnter Art und Weise lange nicht mehr stattfinden würde können. So freue ich mich über die Möglichkeit hier zeitweise mitzuwirken.

Als Musikpädagogin und Darstellerin leite ich Musikkurse für Kinder, sowie Workshops und Seminare rund um das Thema Stimme und Darstellung, ua. an der LMU MÜnchen.

Seit 2015 leite ich als Heilpraktikerin Psychotherapie und Traumatherapeutin eine eigene Praxis "Cantharsis", in der ich hauptsächlich musik- bzw. singtherapeutisch arbeite.

Neben diesen beiden Standbeinen verfasse ich als freie Journalistin Texte, Rezensionen, Interviews für diverse Zeitschriften der Kulturbranche und moderiere vereinzelt eigene  Radiobeiträge.

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