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Rezension: Menschen mit Mut

Ein Buch für alle Außenseiter oder die, die es endlich werden wollen. Für all die Neugierigen, die sich fragen, wie es sich lebt, dort, wo die Luft dünner wird und die Helden wohnen – oder ist mutig sein und die Gemeinschaft in der man lebt positiv mitgestalten zu wollen vielleicht doch weder eine so gefährliche noch komplizierte Sache?

Was kann man tun? Kann man etwas tun?

In der heutigen Zeit ist es zwar nicht schwer zu vielfältigen Informationen zu kommen, aber diese einzuordnen und zu bewerten, gleicht dem Versuch mitten in einem Wildwasser den Fischverkehr regeln zu wollen. Allein die Position zu halten und sich über den eigenen Standort Gedanken zu machen, ist eine Herausforderung – mal ganz abgesehen von der Frage nach der Sinnhaftigkeit der Verkehrsregelung.

Viele Menschen möchten jedoch angesichts so manch tatsächlich existierender Struktur, die unseren Alltag regelt, die aber als sinnbefreit empfunden wird, dem etwas entgegen stellen – eben etwas Sinnvolles tun, einen Unterschied machen. Es gibt sie eben doch noch, die scheinbar schlichte oder naive Überzeugung, dass die Entscheidungen und die Handlungen jedes Einzelnen in der Gestaltung des Miteinanders eine Relevanz haben – und keine andere Vorstellung liegt ja auch den Überzeugungsversuchen zugrunde, sich doch bitte an politischen Wahlen zu beteiligen. Aber vielleicht kann man über die Abgabe seiner Stimme hinaus – oder manche meinen gar stattdessen – auch noch etwas anderes tun.

Menschen mit Mut

Die Idee zum Projekt „Menschen mit Mut“ entstand auf dem Rückweg vom Schweigemarsch in Berlin Anfang Oktober 2020. Andrea Drescher, die Herausgeberin des Buches, kam durch ein Gespräch und die Erinnerung an ein kürzlich geführtes Interview der Gedanke: „Es gibt vielleicht gar keinen Mangel an Mut – man weiß nur nichts von den vielen ‚kleinen‘ mutigen Taten vieler einzelner Menschen!“1

Aus diesem Gedanken heraus entstanden zwischen Oktober 2020 und Februar 2021 die meisten der insgesamt 92 Interviews, die unter dem Titel „Menschen mit Mut“ veröffentlicht sind. Es wurden die unterschiedlichsten Menschen befragt – es gibt darunter bekannte, teilweise sogar populäre Personen, aber der Blick ins Inhaltsverzeichnis zeigt auch mindestens eben so viele (noch) Unbekannte. Die Titel der einzelnen Interviews geben jeweils einen Hinweis auf den Tenor des Gesprächs oder das Betätigungsfeld der Person, machen neugierig und motivieren einfach mal hineinzulesen. Der Versuch, diesen Gesprächen nach irgendeiner Strukturierung Vielfältigkeit zu attestieren – nach Alter, Anlass zum kritischen Hinsehen, Berufsgruppe, Bildung oder mutigem Betätigungsfeld – erscheint unsinnig. Vielmehr entsteht lebensnah, individuell und aus dem Alltag der befragten Personen heraus ein schillernd buntes Abbild einer kritischen Minderheit. Gleichzeitig baut sich angesichts dieser zahlreichen Menschen, die klar und differenziert ihre persönliche Haltung und ihr entsprechendes Handeln in größeren Zusammenhängen darstellenden unweigerlich Zweifel auf: Kann man hier überhaupt noch von Minderheit sprechen? Sind die üblichen Schubladen der Abwertung, Ausgrenzung und Entsorgung von irritierenden Informationen hier wirklich angebracht?

Es gibt viele Dinge, die man tun kann

Die Interviews starten häufig mit einer Kurzbiografie oder es wird im Gesprächsverlauf beschrieben, wie es dazu kam, dass derjenige anfing sich für eine Sache zu engagieren. Man erfährt am konkreten Einzelfall, wie viele verschiedene Möglichkeiten es gibt, tatsächlich etwas zu tun und im eigenen Wirkungskreis einen Unterschied zu machen. Denn es gibt erstaunlich viele Möglichkeiten etwas zu tun, wenn man den Mut hat, auch nur ein klein wenig aus der Reihe zu tanzen. All die vielfältigen und individuellen konkreten Bemühungen etwas bewegen zu wollen, die im Buch „Menschen mit Mut“ zusammengetragen wurden, haben eine wichtige Gemeinsamkeit: sie stützen sich ab auf dem, was wir als demokratische Grundrechte kennen und als Recht auf freie Meinungsäußerung. Ob man im Einzelnen mit so manchen Sichtweisen oder Bemühungen übereinstimmt, mag zur Diskussion gestellt werden, aber insgesamt stellt jedes der 92 geführten Gespräche den individuellen Versuch dar, sich als gleichwertige moralische Instanz an einem demokratischen und rechtsstaatlich abgesicherten Prozess zu beteiligen, der unsere Zukunft maßgeblich beeinflusst. Ist es wirklich eine veraltete Illusion, zumindest Respekt für die reine Existenz einer eigenen, individuellen Perspektive einzufordern?

Allein mit dem Kauf tut man schon Gutes!

Mit dem Kauf des Buches kann man sich daher nicht nur informieren, inspirieren und ermutigen lassen, man kann „Menschen mit Mut“ auch mit gutem Grund erwerben als Wertschätzung für das Engagement aller Beteiligten, die ihre Stimme erheben, ihr Gesicht zeigen und ihre Zeit investieren. Auch der Verlag Vobiscum erhält nur die reinen Druckkosten, die Herausgeberin und sämtliche Helfer der praktischen Umsetzung haben ehrenamtlich gearbeitet und der gesamte Ertrag aus dem Verkauf des Buches geht als Spende an die „Friedensbrücke – Kriegsopferhilfe e.V.“!

Mit dem Kauf von mehreren Exemplaren kann man gleichzeitig ein Geschenk und Inspiration für andere Menschen erwerben – oder man sieht es schlicht als Spende mit Mehrwert, denn optisch, haptisch, qualitativ ist das Buch auch einfach schön! Das Aussehen mag manch Einem gegenüber dem Inhalt vielleicht nebensächlich bis irrelevant erscheinen, aber wenn man zu einem günstigen Preis tatsächlich ein qualitativ hochwertiges Druckerzeugnis erhält, finde ich das durchaus auch bemerkenswert.

Dieses Buch macht Mut!

Die vielen Beispiele zeigen, dass man mit dem Wunsch nach Beteiligung, mit dem Bedürfnis bei Irritationen nachfragen zu dürfen, den unausgesprochenen Zweifeln und der eigenen kritischen Haltung eben nicht allein ist. Es gibt sie wirklich, reale Menschen, die der Ansicht sind, dass es derzeit wichtig ist, sich gegen den Strom zu stellen und die es auch tatsächlich tun!

Ich bin daher schlicht und einfach dankbar für die Möglichkeit, so vielen spannenden Menschen zwischen zwei Buchdeckeln begegnen zu können und daraus Inspiration und Zutrauen zu meinem Eigenen entwickeln zu können. Ich freue mich auf das Lesen weiterer Interviews, darauf mich durch eine andere Perspektive bewegen und manchmal auch begeistern zu lassen. Mich vielleicht zu verändern, eigene Ideen zu entwickeln, nach Gelegenheiten zu suchen selber mutig zu sein, nach dem Sinn zu fragen und gelegentlich zu zeigen, dass die sogenannte Minderheit womöglich gar keine solche ist.

Schlussendlich halte ich dieses Buch und die enthaltenen Interviews mittlerweile auch für ein wichtiges Zeitdokument. Es dokumentiert sowohl das gesicherte Wissen, als auch die Zweifel und Vermutungen, sowie die aus der Zivilgesellschaft formulierte Kritik an den Herausforderungen der Zeit zwischen Herbst 2020 bis zur Veröffentlichung im Frühjahr 2021. Ich persönlich bin daher froh über dieses „Beweisstück“ aus erster Auflage in meinem Bücherregal!

1Andrea Drescher, Menschen mit Mut, S.10

Erstveröffentlichung bei TKP
Bildquelle Pixabay

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