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Reisenotizen aus Russland – Teil 2

Last updated on 21. Mai 2022

Tatsachen muss man kennen, bevor man sie verdrehen kann.

Mark Twain
Vater und Sohn mit «Pilotka Mützen»

Nach unserem Besuch in dem «Museum des Sieges», beschließen wir, mit der Metro in unser Hotel zurück zu fahren. Der Wunsch ist groß, möglichst viele Eindrücke aus dieser uns unbekannten Stadt aufzunehmen. Wir spazieren in Richtung der Station «Park Pobedy». Auf dem kurzen Fußweg bieten sich mir immer wieder Bilder, die mich faszinieren. Besonders die vielen «Pilotka» Mützen 1 fallen immer wieder ins Auge.

Das ganz normale Leben

An der Metrostation angekommen, fahren wir auf einer nicht enden wollenden Rolltreppe in die Tiefe. Zeit für mich, die Menschen weiter zu beobachten. Menschen lachen, umarmen sich, oder filmen die minutenlange Fahrt auf der Rolltreppe in den Untergrund. Das ganz normale Leben.

Auf dem Bahnsteig eröffnet sich uns ein Blick, der von beeindruckenden Statuen eingesäumt wird. Statuen von einer Wucht und Strenge, die ich aus den heimischen Gefilden nicht wirklich kenne. Überhaupt lässt sich diese Wucht, sowohl in der Architektur, als auch bei Kunstwerken im öffentlichen Raum, immer wieder finden.

Eine klare Bildsprache, die dem Betrachter eindeutig aufzeigen will: Wir sind groß, stolz und unbezwingbar.

Statuen in der Metrostation
Szene aus der Moskauer U-Bahn

Als wir in die U-Bahn einsteigen, fällt sofort auf, dass diese sehr modern gestaltet ist. USB-Anschlüsse, neueste Displays und kostenloses W-Lan sind hier Standard – Die Berliner Verkehrsgesellschaft könnte sich hier durchaus eine Scheibe abschneiden.

Nach einigen Stationen verlassen wir die U-Bahn. Wieder am Tageslicht angelangt, finden wir uns in der Nähe der «Nikolskaya Straße» wieder, die eine der Haupteinkaufsstraßen in Moskau ist.

Warten vor der Wechselstube

Es gilt einige logistische Dinge zu klären. Dringlichstes Ziel ist es, unsere in Deutschland abgehobenen Euros in Rubel zu tauschen. Dank der Sanktionen ist es für uns «Westler» nicht möglich, Geld am Automaten abzuheben. Ein sehr ungewohntes Gefühl. Unser Begleiter Sascha führt uns zu einer Wechselstube in einer Seitenstraße der «Nikolskaya Straße». Wir klingeln, doch auch nach längerem Warten öffnet niemand.

Sascha bietet uns an, das Geld für uns bei einer anderen Wechselstube umzutauschen –Wir sollen derweil etwas essen. Wir nehmen das Angebot dankend an, da wir bereits seit mehreren Stunden unterwegs sind. Wir überreichen unsere Euros und wünschen Sascha scherzend einen schönen Urlaub.

Nun schlendern wir die Nikolskaya Straße entlang, um etwas Essbares zu finden. Es herrscht reges Treiben. Hauptsächlich westliche Musik schallt uns aus den Läden entgegen. Menschen mit gefüllten Einkaufstaschen schlendern an den Schaufenstern entlang. Alles in allem ein gewohntes Bild, wie es sich haufenweise in anderen Großstädten finden lässt.

Szenen aus der Nikolskaya Straße Nr. 1
Szenen aus der Nikolskaya Straße Nr. 3
Szenen aus der Nikolskaya Straße Nr. 2

Im «Vokrug Sveta» (ein Food-Court) lassen wir uns nieder, um eine Kleinigkeit zu essen und auf Sascha zu warten. Auch hier gilt: Alles ist groß. Es gibt an verschiedenen Stationen mit Gerichten aus aller Welt. R&B Musik stampft und die Moskauer Jugend sitzt bei Sushi, Pizza, oder Burger und genießt das Leben.

Szene aus dem «Vokrug Sveta»

Gut gesättigt und endlich mit Rubel ausgestattet, brechen wir wieder auf. Wir verlassen die Nikolskaya Straße und laufen in Richtung des Roten Platzes. Die Vorbereitungen für den morgigen Feiertag sind abgeschlossen. Überall sind Sterne und Banner für den 9. Mai zu sehen.

Kind posiert für ein Foto
Straßenimpressionen

Es gibt einen kleinen Notfall – Tom Wellbrocks geliebte «Turnschuhe» haben spontan den Dienst versagt und sich von der eigenen Sohle getrennt –Was sehr ungünstig ist, angesichts der Tatsache, dass wir in den nächsten Tagen einige Kilometer laufen wollen.

Wir versuchen unser Glück beim «Okhotny Ryad» Einkaufszentrum. An der Eingangstür angekommen, schließt das Einkaufszentrum gerade. Wir drehen um. Auf den Stufen des Einkaufszentrums laufe ich fast in zwei junge Damen, die offenbar auch vergeblich auf Einlass ins Kaufhaus gehofft hatten. Irgendetwas ist anders…

Es sind, seit wir den Flughafen verlassen haben, die ersten Menschen, die ich im öffentlichen Raum mit Maske sehe. Tatsächlich ein eher seltenes Bild hier in Moskau.

Begegnung vor dem Kaufhaus
Szene vor der Kommunalverwaltung

Wir bestellen uns bequem per Handy-App ein Taxi zum nächsten Einkaufszentrum, das laut unserem Begleiter Sascha noch geöffnet hat. Wir warten vor dem Gebäude der Kommunalverwaltung auf unser Taxi und sind froh, dass es uns innerhalb weniger Minuten aufsammelt, denn das Wetter kippt plötzlich massiv. Es weht ein kalter Wind und ein alles durchdringender Nieselregen setzt ein.

Ich bin gespannt, wie sich dieses Wetter wohl auf den anstehenden Feiertag auswirken wird.

Der Himmel öffnet nun endgültig seine Schleusen. Der Regen trommelt auf die Scheiben unseres Taxis. Nach wenigen Minuten Fahrt durch die Straßen Moskaus, schälen sich Wolkenkratzer aus dem trüben Abendhimmel. Ein Anblick der mich stark an New York erinnert.

Wolkenkratzer in Moskau

Mitten in den Hochhausschluchten liegt die «Afimall City» eine Shopping-Mall wie sie im Buche steht. Dort finden wir zu unserer großen Verwunderung bis auf wenige Ausnahmen, alle westlichen Läden geöffnet vor.

«Afimall City» Blick nach oben durch das Dach des Einkaufszentrums

Sonya, die geduldige und gute Seele unserer kleinen Gruppe, erzählt, dass durch die Franchise-Struktur der meisten westlichen Unternehmen, die westlichen Sanktionen in Russland nur schwer greifen. Sobald ein «westliches Unternehmen» einen russischen Besitzer hat, kann dieser einfach sein Geschäft weiterhin betreiben. Besonders amüsant finde ich die langen Schlangen vor Burger King und KFC. Der russische Bugerladen «Teremok» der zwischen den beiden Frittenbuden angesiedelt ist, hat hingegen kaum Kundschaft.

Hier ein kurzes Video mit unseren subjektiven Eindrücken aus dem Einkaufszentrum:

Nach all diesen Erlebnissen und Endrücken, geht es zurück ins Hotel. Es war ein langer und sehr intensiver Tag.

Gespannt auf die morgigen Ereignisse, falle ich mit vielen Bildern aus dieser besonderen Stadt, ins Bett.


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Max Axel Jurke
Max Axel Jurke
6 Monate zuvor

Konnte vor dem 22.05. nicht’s schreiben wegen der Einschränkung. Datenvolumen war aufgebraucht ( Habe keine Kontrolle darüber). Finde Moskau wahnsinnig interessant und wie die Menschen dort leben. In diesem Leben werde ich das sicher nicht mehr mit eigenen Augen sehen können. Die Eindrücke von Euch bedeuten mir von daher schon eine ganze Menge. Als armer Rentner wird es in Moskau, vermute ich, aber wie in westlichen Metropolen ähnlich schwer sein. Die Metro und die Kaufhäuser sind sehr schön.
Gruß Max Axel aus Neustadt an der Weinstraße

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