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Piano across the world: Legt man Dir Steine in den Weg, bau was Gutes draus!

Last updated on 16. Mai 2021

Seit 1997 tourt der Pianist Arne Schmitt mit diversen Pianos, zuletzt einem extra für mobiles Konzertieren konstruierten Flügel, durch Europa. Einen festen Wohnsitz hat er schon lange nicht mehr, er ist lieber unterwegs, und das mit verschiedensten Fahrzeugen wie Kastenwagen, Transporter, Lkw, im Wohnmobil, per Quad. In mehr als 300 Städten konzertierte er auf Straßen und Plätzen, sogar bis nach China hat es ihn mehrfach getrieben.

Bis vor Kurzem spielte Schmitt auf seinem 550 Kilogramm schweren Flügel, doch der wurde nun konfisziert.

Ein Dorn im Auge ist der Pianist den Ordnungshütern nämlich seit Beginn der Pandemie, nachdem er wiederholt auf Demos gegen die Coronamaßnahmen konzertierte oder während Straßenmusikauftritten für Meinungsfreiheit plädierte und jedes Mal begeisterte Zuhörer um sich scharte.

Immer wieder gab es Korrelationen mit der Polizei, die allerdings bislang weitgehend glimpflich abliefen -wenn man ein Auftrittsverbot in einigen deutschen Städten noch unter diesem Gesichtspunkt einordnen möchte- bis Arne Schmitt dann am 18.11.20 in Berlin brutal von der Polizei festgenommen wurde.

Ich sprach mit Arne Schmitt über die jüngsten Vorkommnisse am 21.04.21 in Berlin:

Kathrin Feldmann: Lieber Arne, bitte schildere doch kurz, was Dir am 21. April in Berlin widerfuhr.

Arne Schmitt: Ich hatte mich mit meinem Flügel auf der Straße des 17. Juni platziert und dort gespielt, als ich erfuhr, dass die Demonstration anscheinend aufgelöst oder abgebrochen worden sei. Auf jeden Fall bewegte die Menschenmenge sich Richtung Brandenburger Tor. Ich spielte zu dem Zeitpunkt nicht mehr, sondern wollte samt Piano mit den Menschen mit und fuhr meinen Flügel auch in diese Richtung. Da rannten einige Polizisten in meine Richtung, um mich zu stoppen.

K.F.: Was hattest Du verbrochen?

A.S.: Sie bezogen sich darauf, dass ich vorher den Leuten gesagt hätte, dass sie die Polizeikette durchbrechen sollten, was aber nicht stimmt. Ich rief: „Lasst uns durch, lasst uns durch!“ und die Menschen um mich herum stimmten mit ein, nachdem die Polizei die Straße blockiert hatte, was ein Weiterkommen oder Abstandhalten unmöglich machte. Ich stieg dann irgendwann auf meinen Flügel und forderte durch mein Megaphon dazu auf ruhig zu bleiben, denn es sei ja hier jetzt alles so gefährlich, und an die Polizisten gerichtet, dass sie Platz machen sollten, dass man doch den Infektionsschutz gewährleisten müsse, was nicht möglich sei, wenn die Leute so eng stehen.

K.F.: Und was geschah dann?

A.S.: Die Menschen, die sahen, wie die Polizei meinen Flügel festnahm, umzingelten die Polizisten und protestierten. Die Polizisten berieten sich zunächst, was nun zu tun sei. Dr. Fichter und Dr. David Kissel waren auch da. Eine Stunde zuvor war ich bereits bei einer ersten Polizeiabsperrung des Landfriedensbruchs bezichtigt worden, Dr. Daniel Langhans war da an meiner Seite.

Dann wurde ich aufgefordert, mein Auto zu holen und am rechten Straßenrand zu parken, und als ich im Anschluss daran an meinen Platz zurückkehrte, verkündeten sie, dass mein Flügel konfisziert sei.

K.F.: Auf einem Video, das besagte Szene festhält und inzwischen auch via YouTube die Runde macht, sieht man Dich auf dem Flügel stehen, eine riesige Menschenmenge drängt sich um etwa 30 Polizisten mit Helm und in voller Montur, die den Flügel umstellt hatten.

A.S.: Ja, sie haben dann ziemlich brutal versucht mich vom Flügel zu reißen, einige Menschen, die sich inzwischen hingesetzt hatten, haben sie weggetragen. Letztlich hat eine Polizistin den Joystick abgerissen, so dass sie ihn erstmal nicht mehr vom Fleck bewegen konnten, schließlich wiegt er fast eine halbe Tonne. Während letztlich 2 LKWs geordert worden waren, da er nicht auf die Hebebühne eines einzelnen passte, wurde ich zu einer mobilen Vernehmungsstelle abgeführt.

K.F.: Dein Instrument hast Du seitdem nicht mehr gesehen und es gibt auch noch keine weitere Benachrichtigung, wie nun weiter vorgegangen wird.

A.S: Das stimmt. Mein Anwalt hat sofort einen Eilantrag gestellt, schließlich handelt es sich ja um mein Arbeitsinstrument, mit dem ich meinen Lebensunterhalt bestreite. Eigentlich muss laut Gesetz nach spätestens drei Tagen ein richterlicher Beschluss vorliegen, ob das alles rechtens ist, doch das ist bis jetzt nicht geschehen.

Nicht zum ersten Mal werden da jetzt lediglich aufgrund eines Verdachtes Maßnahmen vollsteckt, so geschieht es ja auch ständig mit konfiszierten Handys, doch den Schaden haben sie ja damit längst angerichtet und der ist nicht so einfach wieder gut zu machen.

K.F.: Du wirkst auf dem Video und auch jetzt relativ gelassen. Wie fühlst Du Dich nach alledem?

A.S.: Es gibt im Buddhismus eine Geschichte: der Sohn sitzt im Rollstuhl und die Leute sagen zum Vater: „Ach Du armer Mann, Dein Sohn ist im Rollstuhl.“ Doch dann kam der Krieg und den Sohn im Rollstuhl konnten sie nicht gebrauchen, so dass er zu Hause bleib. Alle kamen um im Krieg, nur er nicht.

So habe ich diese Sache auch für mich gedreht: In Auto und Flügel habe ich die letzten Jahre viel Geld investiert, ständig ging was kaputt, und so hatte ich ohnehin vor, in nächster Zeit etwas zu verändern, vielleicht ein anderes Instrument, was Kleineres mit besserem Sound..

Nun habe ich inzwischen schon eine kleine Plattform organisiert, die ich in Holland abhole, die kann ich ziehen, da kann ich mein E-Piano draufstellen und Lautsprecher mit sehr viel besseren Boxen. Nicht zu vergessen, dass sich unglaublich viele hilfsbereite Menschen gefunden haben, die mich fragten, wie sich mich unterstützen oder wohin sie spenden könnten, woraufhin ich in einem post einen entsprechenden Link setzte. Das, was da reinkommt, wird nun teilweise gleich wieder investiert, auch die Anwaltskosten kann ich damit begleichen.

K.F.: Du drehst also den Spieß um…

A.S.: Ich gehe entspannt damit um und warte ab wie das jetzt weitergeht.

Es spricht ja eher für uns, was da nun die große Runde macht, denn meine Fans haben das mitbekommen und in den einschlägigen Kanälen geht’s durch: Was, die haben dem jetzt den Flügel weggenommen? Unvorstellbar, dass es so weit gekommen ist. Ein Flügel, der gefährlich ist!

Wir müssen immer das Gute draus machen. Es ist wichtig, das Beste aus dem zu machen was ist: wenn Dir Steine in den Weg gelegt werden, dann bau´ was Neues draus!

K.F.: Gibt`s schon Pläne für die Zukunft?

A.S.: Das nächste Event steht vor der Tür: „Pfingsten in Berlin“, vom 21. Bis 24.5. Da bin ich dann mit meinem neuen Handpritschenwagen, mit riesigen Boxen und einem super Sound. Ich kann dann vom Auto aus mit einer Powerstationbatterie agieren, meine fahrbare Bühne ist also mein Auto, ich hab ja gut aufgerüstet!

K.F.: Vielen Dank und dann bis demnächst in Berlin.

Beitragsbild: Foto: Dominik Pfau

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Weiterführende Inhalte zu Arne Schmitt:

Video der Beschlagnahmung des Pianos von Arne Schmitt Telegram-Kanal:

https://t.me/pianoacrosstheworld/78

Vielen Dank an alle Menschen, die sich am 21.04.2021 in Berlin so eingesetzt haben, das zu verhindern und sich um das Piano herumgesetzt haben.

Mein Kanal : https://t.me/pianoacrosstheworld

Mir wird Landfriedensbruch vorgeworfen. Ich werde nun versuchen mit meinem Anwalt das Piano wieder zu bekommen. Wann und ob ich mein Piano wieder bekomme, ist noch nicht geklärt. 

Vielen Dank für all Eure Unterstützung! ❤️🙏

Paypal: http://paypal.me/pianoacrosstheworld​

Bankverbindung: Arne Schmitt – DE52 4016 5366 0251 6182 00 – Verwendungszweck: Schenkung

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