Sein Mut – ein demonstratives Zeichen gegen aufkeimenden Faschismus zu setzen – hat ihm nun eine Strafanzeige eingebracht. Überdies wurden die Ereignisse der Anti-Corona-Maßnahmen-Demo, am 08.11. vor der Münchner Paulskirche, auch von der BILD redaktionell aufgegriffen.

©Bildarchiv Frische Sicht / Thomas Stimmel

Der studierte Opernsänger Philipp Ott wurde 1985 in Bamberg geboren und arbeitet heute als Redakteur im Marketing eines Elektrokonzerns. Seit 2017 lebt er in Oberösterreich, wo er zunächst seine Passion Gleitschirmfliegen zum Beruf machen konnte. Diesbezüglich betreibt er auch den Blog „Unterwegs mit Stoff“ .

Politiker und Medien rücken ihn und andere Demonstranten in die Nähe von PEGIDA – was für den überzeugten Antifaschisten und Neonazi-Gegner eine sonderbare Erfahrung ist.

Philipp, sind Sie schon lange politisch aktiv?

Nein. Ich war nie politisch aktiv – außer dass ich als kritischer Mensch schon immer meine Meinung geäußert habe. Erst aufgrund des Corona-Lockdowns habe ich angefangen, mich aktiv zu engagieren.

Wie kam es dazu?

Ich sehe mich als reflektierten Menschen. Schon mein Vater hat mich bewusst zu differenziertem Denken angehalten. Die Wahrheit sei nie schwarz-weiß, sondern läge immer in der Mitte. Ein Satz von ihm hat mich seit der Kindheit stark geprägt:  „Philipp, Du musst lernen, zwischen den Zeilen zu lesen.“  Ich bin ausnahmslos allem gegenüber kritisch, bezogen auf alle Lebensbereiche. Nicht aus Protest, sondern um mir eine fundierte Meinung bilden zu können – das lässt mich zwar immer wieder mal anecken, ist aber die Grundlage meines Handelns.

Also sind Sie ein Querdenker?

Auch wenn ich kein Mitglied von Querdenken bin, der Begriff „Querdenker“ trifft wohl auf mich zu. Obwohl ich nicht mit allem Denken und Handeln der Querdenken-Bewegung einhergehe, bin ich froh, dass jemand etwas gegen die zum Teil fragwürdigen Corona-Maßnahmen unternimmt. Nach anfänglichem Widerstand unterstütze ich die Demos daher nun aus Überzeugung.

Seit wann gehen Sie auf die Straße – und wieso Widerstand?

Meine erste Demo war am 29.8. in Berlin. Vorher habe ich das Ganze nur aus der Ferne verfolgt, weil ich erst meinen eigenen Standpunkt dazu finden musste. Mir war nicht klar, welche Klientel dort aktiv ist. Die Schlagzeilen der öffentlich-rechtlichen Medien hatten bei mir den Anschein erweckt, dass dort ausnahmslos rechte Faschisten unterwegs seien. Ich habe mich immer klar gegen Rechtsextremismus und Fremdfeindlichkeit positioniert. Der Gedanke, mit Neonazis auf die Straße zu gehen, war und ist für mich undenkbar.

Offenbar haben Sie dann aber Demos besucht?

Naja, die Berichterstattung wurde immer widersprüchlicher, die Auswirkungen der Maßnahmen habe ich als immer extremer empfunden. Meine Zweifel an der Neutralität und Unabhängigkeit der seriösen etablierten sowie öffentlich-rechtlichen Medien wuchsen mehr und mehr. Die Diskussion darüber kostete mich dann eine langjährige Freundschaft, da sich die Person diesen „Unsinn“ nicht länger anhören wollte:

Massives politisches Framing und der naheliegende Gedanke, dass Medien eventuell maximal gefärbt berichten könnten, waren für diesen Freund undenkbar. Da stand für mich fest: Ich fahre hin und bilde mir meine eigene Meinung.

Waren Sie allein in Berlin?

Nein, ich war gemeinsam mit Thomas Stimmel unterwegs, einem afro-deutschen Opernsänger und Vater meines dreijährigen Patenkinds. Thomas betreibt inzwischen das freie Presseportal Frische Sicht, auf dem unter anderem das Thema Corona kritisch aufgearbeitet wird. Wir hatten beide ähnliche Bedenken und waren entschlossen, dass wir uns die Situation vor Ort ansehen, allerdings sofort gehen würden, falls dort gehäuft Neonazis auftreten sollten.

Sie sind aber beide geblieben?

Ja. Auch wenn wir immer wieder vereinzelt Rechtsextreme gesehen haben: in unserer Wahrnehmung kamen 98 Prozent der Menschen aus der bürgerlichen Mitte. Hier von einer Nazi-Demo zu sprechen, empfand ich als vollkommen inakzeptabel. Mit dieser Erkenntnis entschied ich, weiterzumachen.

Trotzdem – wie können Sie für sich persönlich rechtfertigen, mit diesen Rechtsradikalen gemeinsam auf die Straße zu gehen? Zum Beispiel skandiert ja die Antifa-Bewegung auf ihren Gegenprotesten: „Wer mit Nazis marschiert, hat nichts kapiert“ …

Ich marschiere nicht mit Nazis. Bedauerlicherweise ist es vielmehr so: Die zwei Prozent Neonazis marschieren mit, schreiben sich die gleichen Gründe auf die Fahne, versuchen die Veranstaltung für ihre Zwecke zu instrumentalisieren. Auch skandieren sie oft die gleichen Dinge, wie Frieden, Freiheit, keine Diktatur und – Liebe! Das gefällt mir überhaupt nicht, aber … in einer Demokratie, in der Meinungsfreiheit ein wesentlicher Grundsatz ist, muss ich in Kauf nehmen, dass Andersdenkende – von denen ich mich persönlich klar abgrenze – existieren.

Das hat die Antifa offenbar nicht verstanden – was in meinen Augen auch vom geistigen Niveau dieser Bewegung zeugt. In ihrem Extremismus – vor allem bezüglich Intoleranz gegenüber Andersdenkenden und Gewaltbereitschaft – sind sie dem rechten Rand gleich. Politischen Extremismus verurteile ich in jeder Form. Übrigens hat sich auch die Querdenken-Bewegung öffentlich und ohne jeden Zweifel gegen Rechtsextremismus positioniert, aber auch gegen Linksextremismus sowie jegliche Form der politischen Instrumentalisierung.

Allerdings haben auch Politiker Querdenken ins „rechte Eck“ gestellt. Wieso sollten sie derartig haltlose Anschuldigungen äußern?

Die Querdenken-Demonstrationen machen Politik und Medien Angst. Die dort vertretene Menge stellt einen hundertprozentigen Querschnitt der Bevölkerung dar, den sie nicht greifen können. Hat es doch eine Viruspandemie – sowie die daraus resultierende deutsche und globale Corona-Politik – tatsächlich geschafft, dass sich Neonazis und die jüdische Gemeinde für die gleiche Sache, auf derselben Veranstaltung einfinden. In Frieden und ohne gegenseitige Gewalt!

Alle Hautfarben, alle Ethnien und alle Religionen sind dort vertreten. „Alle Menschen werden Brüder.“ So schön dies anmuten mag, so eindeutig ist es in meinen Augen auch ein Zeugnis dessen, dass die Politik komplett versagt hat. Ein bedeutender Teil der Bevölkerung empfindet das Handeln der Staatsmacht als absolut unverhältnismäßig, hat große Sorge, dass unsere einst stabile Demokratie sowie unser Rechtstaat in ein totalitäres Regime abrutschen. Was wir nun bereits vorliegen haben, kann in meinen Augen getrost als fortgeschrittener Gesundheitsfaschismus oder Hygienediktatur bezeichnet werden.

Ein probates Mittel, Andersdenkende – die dem politisch herrschenden System gefährlich werden könnten – unschädlich zu  machen, ist deren öffentliche Diffamierung. Will man nun eine Bewegung aus der mittlersten bürgerlichen Mitte unglaubwürdig machen, packt man die „Nazikeule“ aus. Solche Vorgehensweisen sind aufgrund ihrer Wirksamkeit durchaus etabliert und zeigen dabei infamer Weise deutliche Parallelen zu den beiden großen deutschen Unrechtssystemen des 20. Jahrhunderts auf …

Man kann wenig tun, wenn „die Falschen“ für die richtigen Themen eintreten?

Meine Meinung dazu: Je mehr Menschen der Mitte auf die Straße gehen, desto weniger Bühne wird Neonazis, Rechtsradikalen und vermeintlichen Patrioten geboten. Nur dann kann die demokratische Querdenken-Bewegung nicht für deren Zwecke missbraucht werden. Beruflich vom Fach weiß ich, dass Meinungen mit starken Worten gemacht werden, aber auch mit den entsprechenden Bildern. Ich will also dazu beitragen, dass stimmige Bilder erzeugt werden.

Schöpfen Sie Kraft aus der Demonstrationsteilnahme?

Definitiv. Ich gehe da auch für das Wir-Gefühl hin. Man trifft grundsolide Menschen, mit großem Herz, mit viel Emotionalität. Es handelt sich um viele offene Menschen, die etwas zu sagen haben, die sich gesellschaftlich und von der Politik alleingelassen fühlen. Letztlich sind auf den Demos überall Leute vertreten, die wahrnehmen, wie Menschenwürde und Menschlichkeit mit Füßen getreten werden. Daher kritisieren wir die Maßnahmen lautstark.

Was kritisieren Sie an den Maßnahmen?

Neben der sukzessiven Abschaffung der Rechtsstaatlichkeit, die massiv voranschreitet, ist es die Abschaffung der Menschlichkeit, die in meinen Augen noch viel schwerer wiegt. Zur Menschlichkeit gehört soziales Miteinander, sozialer Austausch, körperliche Nähe und Berührungen, Kommunikation, Kultur. Wir sägen uns den Ast ab, auf dem wir sitzen, und zerstören die Gesellschaft.

Ein System, das Menschen staatlich verordnete Distanz per Gesetz vorschreibt, empfinde ich als pervers.  Dieses Vorgehen aufgrund einer pandemischen Lage – die vielleicht gefährlicher als eine durchschnittliche Grippe ist, aber weit entfernt von Ebola oder der schwarzen Pest – passt nicht. Die Verhältnismäßigkeit ist hier in keinster Weise mehr gegeben.

Was hat Sie in ihrer Meinungsfindung geprägt?

Was mich besonders gefangen genommen hat, waren zum Beispiel die Prognosen von Prof. DDr. Martin Haditsch, einem Experten für Pandemiebekämpfung. Und vor allem die Tatsache, dass sie so schnell eingetreten sind. Der Facharzt für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie hat sich bereits im März mit einem Video (https://www.youtube.com/watch?v=PtzHH8DhgZM) an die Öffentlichkeit gewandt:

Er wies also frühzeitig darauf hin, dass man die Auswirkungen des Lockdowns und weiterer Maßnahmen beachten müsse – und mahnte damit eben die fehlende Verhältnismäßigkeit an. Er warnte, dass am Ende vor allem die Schwächsten dieser Welt am stärksten leiden werden, wenn wir die Welt-Wirtschaft gegen die Wand fahren. Und was wir jetzt erleben, ist tatsächlich eine weltweite humanitäre Katastrophe.

Wie äußert sich diese in Ihren Augen?

Menschen an der Armutsgrenze sind auf dieses funktionierende Weltwirtschafts-System am stärksten angewiesen, um den nächsten Tag zu überleben. Täglich sterben nun zahlreiche Menschen weltweit als Kollateralschäden des Lockdowns. Ein Freund aus Ecuador bestätigte mir diese Tatsache bereits im April: Natürlich gibt es hier Coronatote. Aber das ist nicht das Problem. Es gibt jetzt auf einmal 85 Prozent Arbeitslose und damit Menschen, die nicht mehr wissen was sie am nächsten Tag essen sollen.

Jeder Einzelne muss sich also die Frage stellen, ob das Für und Wider der Maßnahmen noch in einem vernünftigen Verhältnis steht? Werden nicht vielmehr Moral und Ethik mit Füßen getreten?

Können Sie das konkretisieren?

Es gilt, sich einige Fragen zu stellen: Welche Kollateralschäden gibt es? Wie vielen Kindern und Jugendlichen wird die Zukunftsperspektive geraubt? Wie viele Kinder wachsen völlig unnötig in Angst und Schrecken heran? Wie viele Menschen verhungern auf Grund des Lockdowns? Hätten wir uns im Höchstmaß auf den Schutz der Risikogruppen konzentriert, hätte die Pandemie dann wirklich so viele Tote wie prognostiziert hervorgebracht? Unsere westliche Dekadenz der reichen Industriestaaten sowie unser pervertiertes Selbstverständnis sind mir absolut zuwider. Aus Angst um Oma und Opa – als Ausdruck eines kategorischen Ausklammerns des Todes aus der Gesellschaft – nehmen wir all das billigend in Kauf.

Es steht außer Frage: Menschen sind am Virus gestorben und es werden weitere sterben. Aber es ist sicherlich nicht der medial dargestellte Killervirus. Jeder Verstorbene ist einer zu viel. Allerdings ist es offensichtlich, dass die Auswirkungen der Maßnahmen um ein Vielfaches schwerwiegender sind als die der Pandemie selbst. Risikogruppen müssen sich bestmöglich schützen und wir müssen diese bestmöglich schützen.

Aber in Anbetracht des vergleichsweise geringen Risikos einer schweren Erkrankung muss sich das Rad der Gesellschaft – also das normale Leben, die Wirtschaft, die Zwischenmenschlichkeit – weiter drehen dürfen. Wer sich dem Risiko freiwillig aussetzen will und kann, sollte den Alltag so normal wie möglich leben dürfen. Wer Angst hat, sollte sich ohne Umstände distanzieren dürfen. Nur so hätten wir die Situation vermeiden können, vor der wir jetzt stehen.

Welche Situation genau?

Letztlich nimmt die Bedrohung fast apokalyptische Ausmaße an – aber nicht aufgrund von Corona. Man versetzt die Welt in einen kriegsähnlichen Zustand – ohne dass Krieg herrscht! Und das bei einer zuverlässig geschätzten Lethalität von 0,1-0,4 Prozent. (https://www.who.int/bulletin/online_first/BLT.20.265892.pdf)

Was vermuten Sie dahinter?

Das weiß ich nicht. Ich beschäftige mich mit den Dingen, die ich als Fakten bewiesen vor mir sehe, die ich ändern kann. Ich versuche dem konkreten Wahnsinn entgegenzuwirken. Freundschaften werden zerstört, selbst Familien werden zerrissen, Kinder zuhause vom Rest der Familie separiert und das, obwohl sie symptomfrei sind. Gesunde Menschen werden isoliert, Kranke sterben alleine auf Intensivstationen, vereinsamen in Altersheimen.

Und all das wird von namhaften Politikern aus Parteien vorangetrieben, die angeblich christlich-soziale Werte vertreten. Der Bayerische Ministerpräsident Markus Söder erklärt einem zehnjährigen Kind im Radio, dass es schuld daran sein könnte, wenn Mama und Papa oder Oma und Opa sterben! Ich bin mit christlichen Werten aufgewachsen, habe Abitur im Leistungskurs Religion an einer kirchlichen Institution gemacht und kurzzeitig auch Religion studiert. Aber eine Reihe opportunistischer Politiker hat es geschafft, ebendiese Werte innerhalb weniger Wochen de facto abzuschaffen.

Deshalb gingen Sie auch weiter demonstrieren. Wo waren Sie noch dabei?

Am 15.09. in München auf der Theresienwiese, am 7.11. in Leipzig, mit vermutlich über 50.000 Menschen. Das war eine ganz andere Hausnummer, besonders der Friedensmarsch. Dieses Erlebnis war sehr ergreifend. Am 8.11. war ich nochmals auf einer kleinen Demo in München – wo es dann zum Eklat kam. Die Hauptveranstaltung auf der Theresienwiese wurde verboten, weshalb es eine kleine Spontandemo mit ein paar hundert Teilnehmern vor der Paulskirche gab.

Und es zeigt, dass es in München bezüglich des Widerstands leider sehr ruhig ist – adäquat zur restriktiv bayerischen Politik. In Bayern kommt man sich als Andersdenkender doch etwas verloren vor, aber steter Tropfen höhlt auch dort den Stein. Gegen die krankhaften Auswüchse eines demokratischen Systems im Abklang muss etwas getan werden. Auch in München wollte ich dagegen ein Zeichen setzen.

In Form eines T-Shirts? 

Aussagekräftiges Sujet gegen aufkeimenden Faschismus.

Ja. Politiker betreiben Hetzkampagnen – Hexenjagden gegen kritische Bürger, die sich gegen die Zerstörung des Grundgesetzes und der parlamentarischen Demokratie engagieren. Das ist blanker Gesundheitsfaschismus und dagegen positioniere ich mich öffentlich. Ich habe ein T-Shirt mit der Aufschrift „Gegen Corona-Nazis und Gesundheitsfaschismus“ sowie einer großflächigen Persiflage in Bild und Schrift entworfen.

Ich komme ja aus der Werbung und weiß daher, wie Framing funktioniert – auch politisches. Ich habe ein  sehr bildstarkes Sujet gewählt, das faschistoide Handlungsweisen ablehnend in Szene setzt. Es sollen Assoziationen zu den Vorgehensweisen der Nationalsozialisten bis zur Machtergreifung 1933 geweckt werden.

Sie wollen auf die Anfänge hinweisen?

Genau. Ich verharmlose ja dadurch nicht die Verbrechen der Nazis, was mir manche vorwerfen. Ich habe weder Zweifel am Genozid noch an den Millionen toter Soldaten. Aber der Vergleich zur NS-Ideologie darf gezogen werden. Es heißt „Wehret den Anfängen“.

Starke Worte – mit eindeutiger Aussagekraft.

Wir alle sollten es ja im Geschichtsunterricht gelernt haben: „Der Blick in die Vergangenheit lehrt uns den Weg in die Zukunft. Es geht darum die Zeichen wahrzunehmen.“ Ich nehme die Zeichen überdeutlich wahr. Auch die Reaktion der bayerischen Exekutive auf das T-Shirt ist ein weiteres Zeichen.

Was für eine Reaktion gab es denn?

Ich wurde am 8.11. bei der Demo in München von etwa zehn schwerbewaffneten Beamten – trotz Einhaltung geltender Regeln wie Maske und Mindestabstand – in Gewahrsam genommen, einem Schwerverbrecher gleich abgeführt. Man ermittelt nun gegen mich wegen Anfangsverdachts auf Verstoß gegen Paragraph 86a – „Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen“.

Laut Polizei hätte ich angeblich Adolf Hitler auf dem T-Shirt abgebildet! Natürlich ist das ein hanebüchener Vorwurf, der vor keinem Gericht Bestand haben wird. Wenn die Gerichtsbarkeit diesen haltlosen Vorwurf tatsächlich verhandeln sollte, wäre es in meinen Augen die logische Konsequenz, Satiremagazine wie CHARLIE HEBDO oder TITANIC ebenfalls zu verbieten. Damit würde man meinen Faschismusvorwurf nur noch untermauern.

Die Anzeige hat Sie offenbar stark bewegt. Wie beurteilen Sie das Vorgehen der Polizei darüber hinaus?

Das Shirt hat in Leipzig und München sehr viel Aufsehen erregt – und ich wurde noch nie so oft fotografiert wie an diesen beiden Tagen. Die Menschen finden offenbar ihre Sorgen sowie ihre Wut im Sujet wiedergespiegelt. Selbst die Hundertschaften der Polizei in Leipzig nahmen  es gleichgültig zur Kenntnis.

Im „Königreich“ sah das ganz anders aus. Diese positive Resonanz kam wohl beim linientreuen Einsatzleiter der Münchner Polizei nicht so gut an. Man nahm mich in Gewahrsam und ließ mich danach nur mit verkehrt herum angezogenem Shirt weiter an der Veranstaltung teilnehmen. Das war ein massiver Eingriff in die Meinungsfreiheit, also habe ich nach Abschluss der Versammlung meine Meinung wieder kundgetan, das Shirt erneut richtig herum angezogen und noch ein nettes Gespräch vor der Kundgebungsbühne geführt. Daraufhin nahm man mich wieder in Gewahrsam und konfiszierte das Shirt.

Haben Sie jetzt Bedenken wegen der Anzeige?

Ein Freund von mir ist Richter – er hat nur gelacht. Auch der Anwalt vor Ort ging davon aus, dass das Verfahren zu 99 Prozent fallen gelassen wird. Dem etwaigen Verfahren sehe ich also sehr entspannt entgegen. Schlimmer ist, dass die Polizei so vollkommen willkürlich agiert und damit meine Meinungsfreiheit beschneidet. Das hat mit dem mir vertrauten Rechtsstaat nichts mehr zu tun.

Speziell in Berlin und Bayern wird die Rechtstaatlichkeit von Behörden und Exekutive augenscheinlich ausgehebelt. Die Politiker leben orgiastisch und zum reinen Selbstzweck ihre Macht aus, treffen Entscheidungen gegen das Volksinteresse und veranstalten hierfür eine permanent mediale Gehirnwäsche. Diese versetzt Menschen in Angst, Schrecken und Panik. Das wiederum ruft völlig irrationales menschliches Verhalten hervor.

Meine freiheitlich liberale Heimat Franken, das leben und leben lassen – ich kann es zuhause nicht mehr finden. Obwohl die Gefahr an COVID-19 schwer zu erkranken oder gar zu sterben äußerst gering ist, sehe ich fast nur noch angstgesteuerte Menschen. Oder Duckmäuser, die sich verkriechen. Beziehungsweise Hardliner, die diesen Gesundheitsfaschismus proaktiv mitgestalten. Manchmal auch eine bunte Melange aus allem.

Ist das in Österreich besser?

Ja, etwas – im Moment zumindest noch. Heute war ich im Supermarkt ohne Maske einkaufen und es gab wie immer keine Probleme. Aber der Druck nimmt zu. Das merke ich jetzt auch beruflich.

Glauben Sie, dass  das Blatt noch zu wenden ist?

Ich fürchte nicht. Wir sind zu meinem großen Entsetzen in einer neuen Realität angekommen. Es muss wohl erst einen gehörigen Knall geben, bei dem ganz viele aufwachen. Diejenigen werden dann vermutlich auch wieder behaupten, von nichts gewusst zu haben. Wie nach 1945.

Aber Sie engagieren sich weiter?

Ich muss gestehen, dass der alltägliche Widerstand zermürbt. Die vermeintlich seriöse Medienberichterstattung ist meiner Ansicht nach durchseucht von politischem Framing. Ich bin schon müde geworden, gegen Windmühlen anzukämpfen. Aber ich möchte sagen können, dass ich einer von denen war, die gefordert haben, diesen Wahnsinn zu beenden. Also ja – ich engagiere mich weiter.

Was würden Sie den amtierenden Politikern mit auf den Weg geben?

Politik sollte immer zum Wohle des Volkes agieren – eine Binsenweisheit. Was ich mittlerweile beobachte, richtet sich komplett gegen das Volk, ist hochgradig pervertiert und menschenverachtend, ja menschenfeindlich – speziell die Handlungsweisen des bayerischen Ministerpräsidenten.

Die Spaltung in der Bevölkerung ist jetzt schon riesig. Die Politik täte deshalb gut daran einzulenken und sowohl in ihrem Handeln als auch in ihrer Kommunikation einen drastisch gemäßigteren Kurs zu fahren. Passiert das nicht, möchte ich nicht daran denken, wo das Ganze noch hinführen könnte. Aufruhr, Krawalle und Revolutionen weltweit können uns eine düstere Vorahnung auf das geben, was hoffentlich nicht eintreffen mag …

Welche konkrete politische Handlung würden Sie von den Verantwortlichen erwarten?

Es bräuchte den Politiker mit der notwendigen Zivilcourage, der sich vor die Bevölkerung stellt und in etwa folgende Ansprache hält:

„Meine Damen und Herren, wir haben ein schwerwiegendes Problem. Bei der Corona-Pandemie handelt es sich um ein ernstzunehmendes Virus, das aller Wahrscheinlichkeit nach an 98 Prozent der Bevölkerung relativ spurlos vorüber gehen wird. Die restlichen zwei Prozent laufen Gefahr, an diesem Virus schwer zu erkranken. Wenn wir nichts tun, drohen bis zu 1,54 Prozent der  positiv getesteten Menschen daran zu versterben. Für deren bestmöglichen Schutz müssen wir alles Menschenmögliche tun.

Gleichzeitig müssen wir jedoch alles daran setzen, eine funktionierende Gesellschaft aufrecht zu erhalten. Wir sind auf dieses intakte System, das sich auch durch Zwischenmenschlichkeit auszeichnet, angewiesen – zum Wohle aller. Andernfalls sägen wir den Ast der Menschlichkeit ab, auf dem wir sitzen. Eine pervertierte Entmenschlichung der Gesellschaft wäre die unmittelbare Folge. Das öffentliche Leben muss daher umgehend und weitestgehend uneingeschränkt wieder stattfinden dürfen.“

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Andrea Drescher, Jahrgang 1961, lebt seit Jahren in Oberösterreich. Sie ist Unternehmensberaterin, Informatikerin, Selbstversorgerin, Friedensaktivistin, Schreiberling und Übersetzerin für alternative Medienprojekte sowie seit ihrer Jugend überzeugte Antifaschistin. Zuletzt erschien von ihr „Wir sind Frieden“ sowie das "Selbstversorgerbuch für die Küche von Oma & Co"

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