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Kritik an den Kritikern

Regierungskritik inakzeptabel? Ein verbaler Schlagabtausch unter Freunden.

Teile der Gesellschaft, die sich dem Corona-Narrativ der Regierungen widersetzen, werden öffentlich mundtot gemacht. Doch Verleumdung und Anfeindung vollstrecken nicht nur ÖR- und Leitmedien. Wie zahlreiche Andersdenkende, wurde auch der überzeugte Antifaschist Philipp Ott zum Teil massiv aus dem Freundes- und Bekanntenkreis diskreditiert und beleidigt. Eine daraus resultierende Korrespondenz ist als Spiegel der Zeitgeschichte zu betrachten.

Vor allem Otts Teilnahme am Demonstrationsgeschehen rund um die Corona-Maßnahmen brachten ihm zum Teil heftige Kritik ein. In seinem darauffolgenden Gang an die Öffentlichkeit – im November 2020 – bezog der PR-Manager daraufhin eindeutig Stellung. Das diesbezüglich veröffentlichte frischesichtInterview lieferte die Diskussionsgrundlage folgenden Schriftwechsels:

Hallo Philipp,

wir haben gerade mit großem Befremden Dein Interview und Deine fadenscheinigen Ausreden zur Auswahl der Mitdemonstranten gelesen. Das macht uns sehr traurig. Erstaunlich, wie Du plötzlich über Politik und die Geisteshaltung von Antifa-Mitgliedern Bescheid weißt und mit dümmlicher Polemik darüber sprichst – macht sich wahrscheinlich in der Bildzeitung gut.

Erschütternd, mit welchen Menschen Du Dich verbündest und Dir das auch noch als “Gutmensch” zurechtlügst – Zitat: „Die Nazis laufen ja nur mit – Meinungsfreiheit für alle!“. Pfui Teufel! Nationalsozialismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen. Wie kommst Du zu solchen Aussagen, dass Querdenken ein hundertprozentiges Abbild der Gesellschaft sei – ist das Wunschdenken, um Dein Agieren zu rechtfertigen?

Wir möchten übrigens nicht von diesem Querschnitt bestimmt werden, uns von Nazis instrumentalisieren lassen, von verschwurbelten Esoterikern belehren lassen, und glauben auch nicht an das kitschige “Alle Menschen …”.

Als beispielsweise Oury Jalloh in einer Polizeizelle verbrannte, habe ich Dich nicht auf einer Demo gesehen, da ging es ja auch nicht um Deinen Bauchnabel! Wir würden uns freuen, wenn Du diese Dinge noch einmal genau durchdenkst und Dich nicht mit Deinem großen Enthusiasmus vor solche schmutzigen Karren spannen lässt.

Liebe Grüße,

Anna und Jakob (Anm.d.Red. Namen wurden von der Redaktion geändert)

Das Antwortschreiben:

Liebe Anna,

„Der Wunsch, Störgeräusche zu eliminieren, greift in der organisierten deutschen Politik um sich …“, durfte ich heute in der NZZ lesen. Nur in der deutschen Politik? Ich denke, es ist ein weltumspannendes Phänomen. Alle Länder betreffend, die am Tropf der westlichen Dekadenz und dem Scheinerhalt des Turbokapitalismus hängen.

Dieses System wird aufrechterhalten – mit ALLEN Mitteln. Systemkritiker werden mundtot gemacht. Und hier spreche ich nicht von irgendeiner AFD oder FPÖ, die sich durch ihren peinlichen und menschenverachtenden Populismus selbst den Ast absägen, auf dem sie sitzen. Hier spreche ich von hochgradig Gelehrten wie auch vom einfachen Volk.

Die Mittel dazu? Das System ist einfach: Alles was sich gegen das vermeintliche Kollektiv richtet, wird als rechts oder gar rechtsradikal geframed. Was seit März 2020 zu Tage tritt, ist in meinen Augen die größte Form der Propaganda, welche die Menschheit jemals erleben durfte.

Ich denke, es braucht nicht viel Verstand diese Zusammenhänge zu durchschauen. Doch mit Verstand hat das Ganze nur bedingt zu tun. Und wer den Verstand des Volkes ausschalten will, bedient sich der Angst. Ängste schüren macht gefügig. Dann noch ein bisschen DIVIDE ET IMPERA – und die Grundlagen für den Aufrechterhalt eines überaus kranken Systems sind gelegt …

Mit Deiner Reaktion zeigst Du mir einmal mehr, wie gut das funktioniert. Du erhebst schwere Vorwürfe gegen mich. Alles, was ich dem entgegnen könnte, steht in eben diesem Text, den du anprangerst. Jedes Wort im Text war abgewogen – auch die von Dir angesprochene „dümmliche Polemik“. Mit ebenso großem Befremden lese ich daher Deine Zeilen. Denn eigentlich bleibt mir wiederholt nur eines zu fragen übrig:

Was tust Du eigentlich – gegen diesen aufkeimenden, existenten Faschismus, der diesem Land/ Ländern weltweit von etablierten Politikern und Großindustriellen übergestülpt wird? Gegen ein verbrecherisches System, das eine pandemische (Not-)Lage ganz augenscheinlich missbraucht und dabei weltweit derartig großes Leid über die Schwächsten ergießt?

Deine Antwort bei einem unserer letzten Gespräche: „Ich agiere dagegen, indem ich zum Beispiel eine antifaschistische Zeitung abonniere …“. Mit Verlaub – und da erdreistest Du Dich tatsächlich, meine Polemik als dümmlich zu bezeichnen? Gleichzeit stellst Du Dich als moralische Instanz hin. Stellst Dich mit aller Kraft vor eine Organisation geistig verwirrter Kinder, die staatlicherseits mit hoher Wahrscheinlichkeit durch und durch von V-Leuten infiltriert ist. Eine Organisation, die sich den Namen ANTIFA gibt und dennoch die großen Faschisten des 21. Jahrhunderts deckt und stützt.

Eine Organisation, die sich mit größtem Gefallen uniformiert und statt Hakenkreuzbinde oder rechter Hand zum Gruß die FFP2 Maske beim Fahrradfahren aufsetzt. Die sich gegenüber besorgten Familien mit Kindern, alten, schwachen und verzweifelten Leuten aus der politischen Mitte und des eher linksliberalen Spektrums mit Bannern aufbaut: „Wir impfen Euch alle.“ 

Eine Organisation, die während der verzweifelten Rede einer Deutschjüdin, die ihre Verwandtschaft in Bergen-Belsen verloren hat, lautstark brüllt: „Nazis raus.“ Eine Organisation, die an Intoleranz, Undifferenziertheit und kindlich-naiver Dummheit kaum zu überbieten ist – außer vermutlich durch die Neonazi-Szene. Für mich daher: Die neuen Neonazis!

Ich habe mich auf den Demos mit Aussteigern der ANTIFA unterhalten. Teilweise hätte man ihnen sogar Geld geboten, bei diesem staatlich organisierten Spektakel mitzulaufen. Wen oder was ich dort sonst getroffen habe, konntest Du ja meinem Text entnehmen. Über Deinen Medienkonsum kann ich kein Urteil abgeben, da ich ihn nicht kenne. Doch Deine Haltung gegenüber meinem Aktivismus bestürzt mich. Denn Du schenkst der Berichterstattung offenbar mehr Glauben als den mir unmittelbar offenbar gewordenen Tatsachen: Diese Berichterstattung ist zu 100 Prozent verzerrt. Und das hat nichts mit Verschwörung, Rechts oder Esoterik zu tun. Das hat System – und Du unterstützt es.

Und dreht sich mein Engagement tatsächlich nur um meinen Bauchnabel? Wenn Du bereit bist, den Text wiederholt – ohne die linksextremistische Brille – zu lesen, wirst Du es vielleicht erkennen: Mitnichten. Ich gehöre zu den wenigen Glücklichen, die diese Zeit hindurch – mit all ihren Einschränkungen – am allerwenigsten Verluste zu verzeichnen hatten. Im Gegenteil – ich darf mich zu den „Kriegsgewinnlern“ zählen:

Mittlerweile habe ich innerhalb der Corona-Zeitrechnung meine zweite Gehaltserhöhung in Vollbeschäftigung zu verzeichnen. Habe teilweise 100 Prozent aus dem Homeoffice gearbeitet. Kann kommen und gehen wie ich will. Halte mich an keinerlei Regeln und passiere daher auch die innereuropäischen Grenzen wie es mir gefällt. Verkehre in den Lockdowns mit zahlreichen Gleichgesinnten, um das Leben zu feiern. Mache Sport, treffe mich mit Pianisten zum Singen und genieße bestmöglich die Zeit.

Nein Anna, um meinen Bauchnabel geht es hier am allerwenigsten. Auch wenn Du es nicht sehen willst: Ich trete mit legitimierten Mitteln für eine Gesellschaft ein, die das Leben mit allen Höhen und Tiefen annimmt. Die MENSCHLICH bleibt. Wer diese Maßnahmen unterstützt, tut das in meinen Augen aus reiner Selbstsucht – aus Angst um den „eigenen Bauchnabel“. 

Wenn in diesem Zusammenhang auch noch das Wort „Solidarität“ fällt, wird mir schlecht. Mein Engagement sehe ich hingegen als tatsächliche Solidarität. Und sie gilt den Menschen, die durch diesen Gesundheitsfaschismus hart getroffen wurden. In Deinem Elfenbeinturm bist Du davon offenbar gut verschont geblieben – herzlichen Glückwunsch.

Aus dieser Position heraus gegen Aktivisten zu schießen, die dem rechten Rand entfernter nicht sein könnten, halte ich für anmaßend und infam. Bitte, sieh Dir das Bild im Anhang gut an. Schau in die Gesichter. Man konnte vor Ort das schlechte Gewissen der Polizisten fast schon riechen. Sie wussten, dass sie durch die Demonstrationsauflösung in diesem Moment wiederholt massiv gegen Grundrechte verstoßen. 

© Berlin 2021 © Thomas Stimmel Bildarchiv Frische Sicht

Das Ehepaar im Zentrum ist über 80 und seit Jahrzehnten in der Friedensbewegung. Das sind diejenigen, die Du – auf Grund Deiner undifferenzierten, einseitigen und vorgefertigten Meinung – als rechte Verschwörungstheoretiker diffamierst und stigmatisierst. Mit Deinen Worten: „Pfui Teufel!“.

Es handelt sich dabei um honorige Menschen, die für einen humanistischen Wertekomplex eintreten und demonstrieren. Mit Sicherheit haben sie ein genauso großes Problem mit Nazis wie Du. Im Gegensatz zu Dir haben sie aber erkannt, dass sie sich ihre Mitstreiter nicht aussuchen können! Das ist die demokratische Legitimation einer Demo.

„Vielleicht möchtest Du Deine diesbezügliche Haltung nochmal überdenken“ – ich würde mich freuen. Und wenn Du von einem Augenzeugen etwas zu den tatsächlichen Hintergründen der Großveranstaltung am 31.08.2020 in Berlin erfahren möchtest – die von hunderttausenden Menschen der bürgerlichen Mitte besucht wurde, um im Anschluss als rechtsradikal verrissen und mit einem „Sturm auf den Reichstag“ verbunden zu werden – dann stehe ich Dir jederzeit als Quelle und Augenzeuge zur Verfügung. 

Seither habe ich leider die Gewissheit, dass in diesem Land Dinge vor sich gehen, die ich nie im Leben für möglich gehalten hätte. Offenbar haben wir tatsächlich keine Diskussionsgrundlage. Denn Du vertraust vorgefertigten Meinungen und trägst diese weiter – wohingegen ich mir die Geschehnisse genauestens angesehen habe. Ich musste die Dinge schon immer sehen und anfassen, um sie zu begreifen.

Dabei bin ich Zeuge massiver Polizeigewalt geworden. Gegen wehrlose Bürger, alte Frauen und Männer. Menschen der politischen und gesellschaftlichen Mitte. Die – im Gegensatz zum 1.Mai – weder Steine noch Molotowcocktails geworfen haben, sondern aus Angst um die Demokratie und den Rechtstaat friedlich Transparente hochgehalten haben. Denen das Demonstrationsrecht mittlerweile staatlich abgesprochen wird. Im Gegensatz zu Dir habe ich mit den Menschen dort geredet. Ich kann daher sagen, dass dort alles dabei war. Und das, was dort am allerwenigsten oder gar nicht vertreten war, waren Nazis.

Und da hast Du Recht: Das ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen. Doch glaubst Du ernsthaft, dass ich mir mein Grundrecht auf Meinungsfreiheit und Demonstration nehmen lasse, weil dort vereinzelt ewig gestrige, menschenverachtende Volltrottel herumlaufen? Sobald Du die erste systemkritische Demo anmeldest, die sich auch gegen die Corona-Maßnahmen richtet, bin ich dabei. Versprochen! Und ich würde in jedem Fall kommen – trotz der Nazis, die Du Dir dort wahrscheinlich einfangen wirst.

Und schließlich: Das, was als Feigenblatt der Demokratie und des Rechtstaats übriggeblieben ist, möchte ich hochhalten. Denn ich darf NOCH meine Meinung haben – und Du Deine. Bist Du die judäische Volksfront und ich hingegen die Volksfront von Judäa? Eines kann ich Dir jedenfalls versichern: Ich werde weiterhin meinen Mund aufmachen – und mich gegen diese menschenverachtende Politik sowie den damit einhergehenden Faschismus entschieden zur Wehr setzen. Denn ich halte es mit Erich Kästner: „An allem Unfug, der passiert, sind nicht etwa nur die schuld, die ihn tun, sondern auch die, die ihn nicht verhindern.“

Alles Liebe

Philipp

Beitragsbild: Linz 2021 Bildarchiv Frische Sicht © Thomas Stimmel

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