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Für einen gemeinsamen friedlichen Weg – Es ist an der Zeit verbal abzurüsten

Am Ende des Jahres 2021 stehen wir vor Gräben.. die in den letzten Wochen, Monaten wachsen… Da stehen die Einen, dort stehen die Anderen.

Ein Denkanstoss von Andi Rietschel, Leipziger Dj, Geschichtenerzähler und Veranstalter

Im digitalen Schnell Schnell verlernen wir zuzuhören, durchzuatmen, verstehen zu können und zu wollen.
Wir wollen Recht haben. Mehr als DIE Anderen. Wir sind die Guten.
Wir wissen dass wir die alleinige Wahrheit haben und nennen andere Lügner.

Wir ziehen mit Fackeln vor die Häuser von Politikerinnen. Wir schreiben in den Weiten von Telegram davon, einen Ministerpräsidenten umzubringen. Wir schreiben an ein Ladenfenster „Kauft nicht bei Ungeimpften!“ Wir schimpfen, „dass Ungeimpfte Sozialschädlinge sind, Terroristen, das Gift für die Gesellschaft“ Wir hassen und werden gehasst. Wir missverstehen und werden missverstanden. Wir schreien und werden angeschrien. Wir lachen Andere aus und werden ausgelacht. Wir warnen und werden gewarnt. Wir ängstigen und haben Angst.
Wir drohen und werden bedroht. Wir fordern Akzeptanz und Toleranz und haben Akzeptanz und Toleranz verlernt. Wir rennen den Rechtsradikalen oder den Linksradikalen hinterher, oder laufen mit Ihnen, auch wenn wir in vielen Dingen eine tolerantere Meinung haben. Wir rennen radikalen Scharfmachern der Mitte hinterher, weil es einfacher ist, jemandem zu folgen, mitzulaufen, nicht allein zu stehen.

Wie weit ist es gekommen, dass wir uns so extremisieren? Verbale und körperliche Gewalt ist ein nicht akzeptierbarer Weg.

Vor 2 Jahren saßen wir noch zusammen am Weihnachtsbaum, oder in der Bar, oder in einem Cafe. Jetzt reden wir nicht mehr mit den Anderen, nur noch über sie und haben Angst vor ihnen, oder Angst um Sie.
Wir entfernen uns mehr und mehr von Denen, die uns bis vor Monaten noch ganz nah waren. (oder von denen wir dachten, dass wir Ihnen ganz nah stehen).

Wir?
Sind wir das wirklich? Gibt es nur ein Entweder und ein Oder? Warum?

Wir könnten auch einen anderen Weg gehen – gemeinsam trotz bestehender Unterschiede.

Es ist für uns nicht entscheidend ob der Andere geimpft oder nicht geimpft ist. Weil es eines jeden Menschen eigene Entscheidung ist. Wir sind für eine freie Impfentscheidung.

Wir sind für ein verantwortungsvolles Miteinander, für eine Stärkung des Gesundheitssystems, eine wirkliche Unterstützung der Pfleger und Pflegerinnen, der Ärztinnen und Ärzte und der Patienten in Gesundheitshäusern und Bewohnern in Altersheimen.Wir sind für eigenverantwortlich und unterstütztes gesünderes Leben, bessere Ernährung, weniger Zeit vor den digitalen Geräten, mehr Zeit für Sport oder in der Natur.

Wir schränken uns ein, im gesunden Maße, treffen weniger Menschen, wenn es notwendig erscheint, erwarten dann aber auch, dass diese Einschränkungen nicht nur von der Bevölkerung im Privaten getragen werden sollen, sondern eben auch in der Wirtschaft. Das private oder kulturelle Leben (allein) als gefährlich anzusehen, weil das Hamsterrad der Wirtschaft weiterlaufen muss, ist nicht nur in der heutigen Zeit ein Fehler.

Wir sind für Vorsicht und Rücksicht. Sich zu testen, wenn wir uns treffen wollen – egal ob geboostert, geimpft, genesen oder ungeimpft – ist aktuell verantwortungsvoller, als die getesteten Ungeimpften auszuschließen und Geimpfte ungetestet feiern zu lassen.

Wir lassen uns nicht gegeneinander aufhetzen und rennen nicht den Radikalen hinterher und demonstrieren nicht mit Ihnen. Wir wählen friedliche Worte und Wege und erwarten dies auch von den Anderen. Wir hören zu und möchten, dass wir gehört und gesehen werden.

Es gibt angesehene Ärzte, Wissenschaftler, Politiker die das Eine sagen. Es gibt angesehene Ärzte, Wissenschaftler, Politiker die eine andere Meinung verteten. Wir befürworten in dieser besonderen Zeit, in der Gefahr einer weiteren Spaltung, im Jetzt und in der Zukunft, einen runden Tisch, mit Politikern, Wissenschaftlern, Künstlern und Arbeitern mit unterschiedlichen Meinungnen in offener gewaltfreier Kommunikation, der medial für alle Menschen des Landes zugänglich ist.  (so wie es beispielsweise am Ende der DDR 1989/1990 der Fall war)

Wir trauern um die Menschen, die in den letzten 2 Jahren an einer schweren Krankheit gestorben sind. Wir trauern um all die, die an Krankheiten, Katastrophen und Kriegen sterben.

Wir sind für den Schutz der Menschen auf der ganzen Welt, nicht nur in unserem Land und nicht nur in diesen besonderen Zeiten. Wie kann der militärische Verteidigungsetat in dieser Zeit fast doppelt so hoch sein wie der Gesundheitsetat und weiter steigen? Das Leben jeden Einzelnen zu schützen, heißt auch Kriege zu beenden, Krisen zu entschärfen, Hungersnöte zu verhindern und zu beenden. Wir wollen Miteinander leben, im Bewusstsein, dass wir anders sein könnten, als unser Nachbar, als unsere Freunde, anders als die Menschen in anderen Ländern – aber dass wir zusammen gehören, miteinander im Kleinen und im Großen leben oder im Kleinen und Großen friedlich in Koexistenz nebeneinander leben, sich nicht über den Anderen stellen.

Wir reden miteinander und fragen nicht als erstes wie der Impfstatus ist, sondern wie es dem Anderen geht, wie er sich fühlt.

Wir akzeptieren und tolerieren  den anderen Menschen,  egal ob ungeimpft, genesen, einmal, zweimal, dreimal oder vielfach geimpft, genauso, wie wir das Andersein in anderen Bereichen akzeptieren und tolerieren.

Liebe Menschen, liebe Familienmitglieder, Freunde, Bekannte und Unbekannte. Liebe Bürger unseres Landes!

Lasst uns wieder aufeinander zu gehen, einen gemeinsamen Weg wählen.
Nicht Gegeneinander sondern Miteinander! Lasst uns unterschiedliche Ansichten akzeptieren, solange sie sich mit den Werten unser Gesellschaft und des Grundgesetzes vereinbaren lassen. Gestehen wir Jedem zu, eine andere tolerante Meinung zu haben.

Wir alle können so unterschiedlich sein und denken und sind doch so gleich. Wir sind eine Familie, wir sind ein Freundeskreis, Fremde, Bewohner einer Stadt, eines Dorfes, eines Landes. Wir sind Menschen dieser Erde.

Es gibt viele Wege die man wählen kann, auch in der jetzigen Situation.

Ich entscheide mich für einen gemeinsamen Weg!
Und Du? Und Sie?

Mögen wir gesund bleiben oder gesunden!
Mögen wir in und für Liebe und Frieden leben!
Neben und Miteinander!
Andi Rietschel,
Künstler
Leipzig im Dezember 2021 
_________________

http://www.andirietschel.de

ein Denkanstoss als Vorgedanke zu diesem Text, Herbst 2021
“Verrückte Zeiten, für ein Miteinander“

Beitragsbild, Bildarchiv © Thomas Stimmel

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