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Erst Flöte spielen, dann das Rad erfinden

Der Infektionsschutz hat die Musik im Land verstummen lassen – in Konzertsälen und auf Bühnen, aber auch unter Millionen von Menschen, die in ihrer Freizeit im Chor singen oder in einem Orchester spielen. Virologen halten Singen und Musizieren für gesundheitsgefährdend, die Politik stuft Musik als nicht systemrelevant ein. Evolutionsbiologen und Verhaltensforscher sehen das anders. Der Homo sapiens ist nicht nur aus Spaß musikalisch geworden.

Der US-amerikanische Linguist und Psychologe Steven Pinker stellte in seinem 1997 erschienen Buch How the mind works folgende These auf: „Musik könnte aus unserer Welt verschwinden, und der Rest unseres Lebens bliebe eigentlich unverändert.“ Er charakterisierte Musik als „Cheesecake fürs Ohr“: ein Genussmittel, das die Sinne kitzelt, die aber für wichtigere Aufgaben da sind. Biologisch, meinte Pinker, habe Musik für uns keine Bedeutung.

Die Behauptung des prominenten Autors rief eine heiße Diskussion hervor, hatten doch Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen im angloamerikanischen Raum gerade begonnen, sich von neuem mit einer Frage zu beschäftigen, die kein Geringerer als Charles Darwin aufgeworfen hatte: warum der „nackte Affe“ Homo sapiens in seiner Evolution auch ein musikalischer Affe geworden ist.

Für die Wissenschaft war Steven Pinkers These eine Provokation – und für die Pädagogik in Deutschland musste sie geradezu destruktiv erscheinen. Denn die deutsche Musikerziehung suchte gerade nach Wegen aus einer tiefen Existenzkrise, in die sie sich selbst manövriert hatte. Jahrzehnte zuvor nämlich hatte der gesellschaftsprägende Theodor Adorno mit dem vernichtenden Urteil „Nirgends steht geschrieben, dass Singen Not sei“ eine Säuberung der Lehrpläne vom geselligen Liedersingen eingeläutet, das der 68er-Vordenker für ein „lodenjoppiges“ Relikt des Nationalsozialismus hielt. Folgsam verschwanden in den 60er und 70er Jahren die Volkslieder aus den Schulbüchern und das naive Musizieren aus den Klassenzimmern.

Eine Generation später stellten Musikpädagogen erschrocken fest, dass die Kinder keine traditionellen Lieder kannten. Ihre Eltern hatten sie nicht mehr gelernt. Da begannen verschiedene Initiativen, Verlorenes einzusammeln und Neues aufzubauen, Lieder wieder ins Bewusstsein junger und erwachsener Menschen zu bringen, jedem Kind ein Instrument in die Hand zu geben, Musische Tätigkeit in bildungsferne Schichten zu tragen.

Diese Projekte haben in den letzten Jahren viele Kinder, Eltern und Lehrer erreicht. Und wenn der Wert der musischen Erziehung für die Persönlichkeitsentwicklung und für die Gesellschaft heute immer wieder hervorgehoben wird, dann kann sich diese Fürsprache auch auf die modernen Biowissenschaften stützen. Sie erkennen Musik und Musikalität heute als „biologische Serienausstattung“ des Homo sapiens, die in der Menschwerdung verschiedene lebenswichtige Funktionen erfüllt hat. Die These vom “Cheesecake fürs Ohr” ist out.

Oder sie war es bis von kurzem. Seit dem Frühjahr 2020 stecken wir in einem Gesellschaftsexperiment, das Steven Pinkers These von der Bedeutungslosigkeit der Musik für unser Leben zu überprüfen scheint. Bekenntnisse wie das des früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker – „Kultur ist kein Luxus, den wir uns leisten oder nach Belieben streichen können, sondern der geistige Boden, der unsere innere Überlebensfähigkeit sichert“ – sublimierten schnell auf eine abstrakte Ebene, die der sogenannten Systemrelevanz enthoben ist. Systemrelevant ist, was dem äußeren Überleben dient. Für die Kulturschaffenden selbst kann das äußere Überleben ja eine Weile aus der Staatskasse gesichert werden.

Fatalerweise ist Musik diejenige Kunst, die aus der Perspektive der Hygienepolitik gleich doppelt gefährlich erscheint: weil sie meist mit sozialen Kontakten verbunden ist, und weil Singen und das Spiel von Blasinstrumenten auch noch als höchst infektiöses Verhalten gilt. „Wenn Flöten töten“ dichtete Helmut Maurò in der Süddeutschen Zeitung.

Hygienekonzepte, die auf der Grundlage verschiedener wissenschaftlicher Studien die Arbeit von Chören und Orchestern wenigstens in beschränktem Umfang ermöglichen sollten, spielen seit Herbst 2020 nur noch für Aufnahmen und Streaming-Projekte in der Profimusik eine Rolle. Das ganze übrige Musikleben ist verboten. Beruhigende Erkenntnisse aus der Praxis z.B. in Österreich, dass Konzertsäle und Opernhäuser kaum oder gar nicht zum Infektionsgeschehen beitragen, spielen keine Rolle. Man kann nie wissen und geht lieber auf Nummer sicher – eine neue Maxime der Politik.

So sind alle Proben und Auftritte von Laienchören und Amateurmusikgruppen untersagt. Schulchöre und Schulbands dürfen nicht proben. Im Klassenzimmer darf nicht gesungen werden, auch nicht im Kindergarten. In der Kirche ist der Gemeindegesang verboten. Die Gläubigen dürfen die Lieder, die die Orgel ihnen vorspielt, mitlesen, aber nicht mitsingen. Ein derartiges Musikverbot kannte die Welt bisher nur vom afghanischen Taliban-Regime.

Was macht das mit den Menschen? An der Oberfläche betrachtet, zunächst weniger als der Lockdown der Frisiersalons. Um aber tiefere Ebenen auszuleuchten, muss man sich in die Blickwinkel der Neurowissenschaft und der Verhaltensforschung begeben.

Babys reagieren stärker auf Melodie und rhythmische Muster als auf gesprochene Worte, daher ist es kein Zufall, dass Mütter und andere Erwachsene auf der ganzen Welt mit Babys in gesteigerter Sprachmelodie und rhythmischen Wiederholungen sprechen. Auch Wiegenlieder gibt es in allen Kulturen. Sogar auf Frühgeborenen-Intensivstationen nutzt man den beruhigenden Effekt musikalischer Klänge, um den Stress der kleinen Patienten zu reduzieren. Obwohl die persönliche Musikgeschichte eines Neugeborenen erst noch geschrieben werden muss, können ruhige Melodien bereits seinen Cortisolspiegel, seinen Puls und seine Atemfrequenz senken. Unser Sinn für Musik ist zu einem großen Teil angeboren.

Nach Meinung vieler Wissenschaftlerinnen liegt der evolutionäre Ursprung menschlicher Musikalität in der Kommunikation zwischen Mutter und Baby: eine Kommunikation, die sich in unserer Vorgeschichte entwickelt hat, als der Körperkontakt mit dem Kind immer öfter unterbrochen wurde, weil das Menschenjunge infolge des aufrechten Gangs und durch den Verlust des Körperfells nicht mehr so oft am Körper getragen werden konnte wie die Affenkinder. Dieser Theorie zufolge sind Melodie und Rhythmus gleichsam als Trost der Trennung entstanden. Eine Ahnung jenes Urgefühls befällt uns vielleicht, wenn ein Musikstück einen Schauer der Rührung über den Rücken jagt: eine unwillkürliche Reaktion des Nervensystems, die eigentlich mit dem Schutz vor Kälte zu tun hat.

Stärkste emotionale Musikerlebnisse erfahren Menschen vor allem in der Gruppe. Musikalische Gemeinschaftssituationen verschiedener Kulturen und Subkulturen zeigen, wie das soziale musikalische Verhalten, der Zusammenklang, der gemeinsamer Rhythmus von Bewegung und Stimme die soziale Bindung stärkt. Die Voraussetzungen dafür sind in den psychomotorischen Gegebenheiten unseres Verhaltens angelegt. Tanzende Menschen in der Disco, singende Fußballfans und ein „Zugabe“ klatschendes Publikum haben eines gemeinsam: Sie synchronisieren sich in Sekundenschnelle zu einem Metrum. Wir Menschen sind die einzige Spezies, die das kann, wir spüren ein Verlangen danach und belohnen uns dafür selbst durch Ausschüttung von Glückshormonen. Gefangene in Arbeitslagern singen, um sich die Arbeit zu erleichtern und um bei Verstand zu bleiben. Nur durch die musikalische Fähigkeit zur Synchronisation sind Menschen überhaupt in der Lage, Arbeiten in einer Gruppe rhythmisch zu koordinieren – eine elementare Voraussetzung für kulturelle Entwicklung. Das „Zusammen im Takt“ gilt neben dem Mutter-Kind-Singsang als Schlüssel zum evolutionären Ursprung und Sinn unserer Musikalität. Beide Theorien haben einen gemeinsamen Nenner: zwischenmenschliche Bindung.

Sind diese Forschungen für die Beziehung des Zivilisationsmenschen zur Musik irgendwie von Belang? Ja, denn die zentrale Erkenntnis, dass unsere Leidenschaften für Musik nicht bloßem Hedonismus entspringen, sondern mit Grundbedingungen menschlichen Daseins verknüpft sind, sollte der Kultur- und Bildungspolitik ein stabiler Grundstein sein, um den Stellenwert von Musik und Musikerziehung zu untermauern.

Eine zweite Erkenntnis aber ist vielleicht noch wichtiger und keineswegs banal: Musik ist primär nicht Ware, sondern Kommunikation.

Natürlich spricht auch die Musikkonserve, die seit Radio und Schallplatte und heute noch viel mehr durch digitale Technik zu jeder Zeit und an jedem Ort abhörbar ist, unsere Emotionen an. Aber sie ist doch nur ein unvollständiger Ersatz für die Live-Situation, für die direkte Übermittlung der Botschaft vom Sender zum Empfänger im Augenblick ihres Entstehens.

Im Konzert, im Musiktheater, im Jazzkeller ist das Publikum unmittelbar am Geschehen beteiligt. Hier begegnen sich Menschen, um Leidenschaften zu teilen. Opernhäuser sind die Kirchen des aufgeklärten Bürgertums. Man trifft sich an einem besonderen Ort, in einem kostbar ausgestatteten „Musentempel“, um gemeinsam in Festkleidung und in einer dem Alltag enthobenen, magischen Atmosphäre ein gesellschaftliches Ritual zu zelebrieren. Um wenigstens eine Ahnung dieses Zaubers vor dem heimischen Fernseher oder PC entstehen zu lassen, müsste man einen Haufen Freunde nach Hause zu einer Opernparty einladen – aber auch das ist ja zur Zeit verboten. 

Interessanterweise ist uns die besondere Faszination der Live-Darbietung offenbar angeboren. In der schon erwähnten Musiktherapie mit frühgeborenen Babys hat sich gezeigt: Wenn die Mutter singt oder die Therapeutin leise ein Instrument spielt, ist die positive Wirkung auf den Organismus der Frühchen stärker als beim Einsatz von Musikaufnahmen.

Daher wundert es nicht, dass sich der sogenannte Mozart-Effekt als Wunschdenken erwiesen hat. Eine amerikanische Studie in den 90er Jahren war zu dem Ergebnis gekommen, dass Versuchspersonen anspruchsvolle Aufgaben, die das räumliche Vorstellungsvermögen fordern, schneller lösten, wenn sie zuvor Klaviermusik von Wolfgang Amadeus Mozart gehört hatten. Die Studie erzeugte zunächst einen Hype: CDs zur Verbesserung der Intelligenz und der Schulnoten wären ein bequem einsetzbares Mittel und ein glänzendes Geschäftsmodell. Der Effekt ließ sich jedoch in keiner Folgestudie mehr nachweisen. Musik ist kein akustischer Zaubertrank, der die Gehirnleistung durch Einflößen per Kopfhörer steigert.

„Musik ist Geborenes und will als solches nicht gewusst, gekannt oder gekonnt sein, sondern will leben und gelebt werden“, wusste Fritz Jöde, Protagonist der Jugendmusikbewegung zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Wirkungen zeigen sich, wenn der Mensch aktiv an der musikalischen Kommunikation beteiligt ist. Große Aufmerksamkeit erlangte eine Filmdokumentation, in der 250 Hauptschüler mit den Berliner Philharmonikern unter Leitung von Sir Simon Rattle ein Ballett probten und aufführten. Dabei gelang es, zunächst wenig motivierte Kinder und Jugendliche zu Disziplin und erstaunlichen Leistungen zu bringen. Auch Projekte zur Gewaltprävention durch musikalische Arbeit haben Erfolge. Positive Auswirkungen des musikalischen Zusammenspiels auf das Sozialverhalten zeigen sich früh: Die Wissenschaftler Sebastian Kirschner und Michael Tomasello am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig beobachteten, dass vierjährige Kinder, die in einem Spiel gemeinsam ein Lied gesungen und sich dazu mit Klangfröschen begleitet hatten, danach besser kooperierten als Kinder in einer Vergleichsgruppe, die in diesem Spiel nur zugesehen und darüber gesprochen hatten.

Wer auf einem Musikinstrument übt, entwickelt neue Nervenverbindungen im Gehirn. Großhirnbereiche für Hören, Tastsinn und Bewegung verknüpfen sich verstärkt. Ein Berliner Forscherteam fand, dass es Kleinkindern mit musikalischem Training leichter fällt, Sätze zu bilden und Grammatikregeln richtig anzuwenden.

Aktives Musizieren ist sogar unmittelbar gesundheitsfördernd: Wer singt oder ein Blasinstrument spielt, trainiert seinen Atemapparat und verbessert die Sauerstoffversorgung. Beim Singen und Musizieren schüttet der Organismus zur Selbstbelohnung Glückshormone aus, die sofort das körperliche und psychische Wohlbefinden steigern. Und mehr noch: Eine Arbeitsgruppe an der Uni Frankfurt stellte fest, dass während einer Chorprobe bei den Sängerinnen und Sängern die Konzentration von Immunglobulin A im Speichel steigt, also die Immunabwehr gestärkt wird.

Umso paradoxer erscheint es, dass Chorsingen und überhaupt jede Art von Laienmusik miteinander seit Monaten im Namen des Infektionsschutzes untersagt ist – auf der Grundlage von Meldezahlen und von Studien zur Aerosolverbreitung, nicht etwa aufgrund belastbarer Daten tatsächlicher Ansteckungen.

Dabei ist die Laienmusikszene schon rein zahlenmäßig gesehen durchaus „systemrelevant“ für das gesellschaftliche Leben:

Chorgesang in deutschen Amateurchören gehört zum Immateriellen Kulturerbe der UNESCO. In Deutschland singen über 3 Millionen Menschen in 60.000 Chören. Weitere 2 Millionen Amateure spielen in Blaskapellen, Akkordeonorchestern, Sinfonie- und Streichorchestern, Zupforchestern und Zithermusikgruppen sowie in verschiedenen kirchlichen Instrumentalgruppen – und diese Zahlen erfassen nur diejenigen, die in Verbänden organisiert sind. Dazu kommen Hunderttausende von Kindern und Jugendlichen in Schulchören, Schulorchestern und Schulbands und eine unbekannte Zahl von jüngeren und älteren Menschen, die in privat organisierten Bands musizieren.

Für diese Millionen von Menschen ist die Musik verstummt. Proben und Auftritte sind seit November verboten, gesungen wird nur noch unter der Dusche. Im Sommer waren zwar Proben unter Hygieneauflagen erlaubt, aber damit etwa ein größerer Chor mit Corona-Abstand proben kann, muss er erst einmal eine geeignete Halle zur Verfügung haben. Daher haben sich viele Chöre schon seit einem Jahr nicht mehr getroffen. Für viele Menschen, die wöchentlich zum Singen und Musizieren zusammenkamen, bedeuten die Infektionsschutzmaßnahmen nicht nur Sang- und Klanglosigkeit, sondern Raub eines emotionalen Lebensinhalts, Abbruch sozialer Beziehungen, Vereinsamung, Stillstand. Auch wenn heute das Chorwesen eher unpolitisch erscheint, sollte man nicht vergessen, dass einst Revolution, Demokratiebewegung, Nationalstaatsstreben und Arbeiterkampf von flammenden Chören und Liedern getragen waren. Wäre das noch heute so, würden wohl nicht nur Verschwörungstheoretiker auf die Idee kommen, ein allgemeines Musikverbot könnte politische Gründe haben.

Stellenweise zaghafte „Lockerungen“ des Vollzugs wirken eher beklemmend als befreiend: Die evangelische Landeskirche Sachsen etwa hat bekanntgegeben, dass es seit dem 15. Februar möglich sei, nach dem Gottesdienst gemeinsam im Freien zu singen – mit Mund-Nasen-Bedeckung. Die Hinweise fast aller Fachleute, dass es für Ansteckungen im Freien bei den üblichen Abständen keine Hinweise gebe, scheinen in den Wind gesprochen zu sein – so wie die Aerosole.

Erwachsene Menschen können ein Jahr soziale Distanzierung vielleicht noch wegstecken und abhaken. Für ein siebenjähriges Grundschulkind aber – darauf weist unter anderen der Neurobiologe Gerald Hüther hin – ist dieses Jahr eine riesige Epoche seines bisher erlebten Lebens. Ein ganzer prägender Lebensabschnitt inmitten maskierter, ihrer Mimik beraubter Gesichter, ohne gemeinsame Lieder in der Klasse, im Kindergottesdienst oder beim Laternenumzug, ein Lebensabschnitt der Verbote und der Angst vor dem Verstoß gegen diese Verbote, eine fatale Prägungsphase eingeredeter Schuldgefühle, dass man andere Menschen durch Händegeben oder Flüstern ins Ohr, also durch Verhaltensweisen der Freundlichkeit und der Vertrautheit, gefährden könnte. In einem Arbeitsheft für die erste Klasse bekommen Kinder die Aufgabe, Zeichnungen mit Emojis zu bewerten: Abstand halten, Händewaschen und Alltagsmaske bekommen ein Smiley. Aber zusammen Spielen, Tuscheln und Singen werden mit einem bösen Gesicht gekennzeichnet.

Eine Berliner Lehrerin schreibt in einem aufrüttelnden Elternbrief:

„Vor über einem Jahr hätten die meisten von uns vermutlich noch unterschrieben, dass die Kinder mit allen Sinnen lernen müssen, dass Bewegung und Singen das Immunsystem stärken, dass soziales Miteinander das Lernen bereichert und für die Psyche und damit die Gesundheit wichtig ist. Heute drängt sich die Angst vor einer Virusinfektion so sehr in den Vordergrund, dass wir vergessen, was für eine gute Entwicklung unserer Kinder wichtig ist.“

Musik, sagte der Dirigent Enoch zu Guttenberg, ist ein Heilmittel gegen die Entfremdung des Menschen von sich selbst. Philosophische Sätze wie diesen könnte man vielleicht dem Reich des Sehnens und Wähnens zuschreiben, doch sie erhalten konkrete Substanz durch die Erkenntnisse der Wissenschaft. Ein starkes Argument für die „Systemrelevanz“ von Musik liefert schon das bloße Alter des ältesten bekannten Musikinstruments, einer vor 40.000 Jahren auf der Schwäbischen Alb gefertigten Knochenflöte: Lange bevor Menschen Ackerbau und Viehzucht – geschweige denn das Rad – erfanden, bauten sie Musikinstrumente.

Musik ist untrennbar mit der Situation verbunden, dass Menschen zusammenkommen und face to face kommunizieren. Musikleben, wie wir es brauchen und lieben, und wie es auch wirtschaftlich überhaupt nur funktionieren kann, geht nicht mit Hygienekonzept. Daher bringt es uns nicht mehr weiter, zu erforschen, mit welchen Masken und welchen Abständen man das Infektionsrisiko minimieren kann, um virensichere Konzerte und Theateraufführungen durchführen zu können. Die Gesellschaft muss zu einem Konsens finden, unter welchen Voraussetzungen sie alle Türen öffnet und erlaubt, die Masken fallen zu lassen. Das Virus werden wir nicht los. Aber die Angst können wir loswerden.

Symbolbild: shutterstock / © tezzstock

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